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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 4 · p. Seite 140

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1923-01-01
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
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' י 140 andere: Kain wird durch den Pfeil Lemechs getötet. Die erste Todesstrafe entspricht der der Erdrosselung (חנק). Eine Art Erdrosselung ( Hemmung der Blutzirkulation) stellt aber auch; der durch eine Beule herbeigeführte Tod dar. Der Tod durch Lemechs Pfeil setzt einen Blutverlust voraus. Da nun die Talio fordert, daß der Mörder auf dieselbe Art ums Leben komme, wie er gemordet hat, so kann angenommen werden, daß nach R. Simon Kain durch die Sintflut eine Art Erdrosselungstod erlitten hat, also auch Abel auf ähnliche Weise sterben mußte (Hieb), die Rabbanen dagegen Kain durch einen Blut- Verlust sterben (Pfeil), also Abel durch einen Stein erschlagen lassen. In der christlich-muhammedanischen und spätjüdischen Sage ist bald vom Stein, Stab, einer Ackerhacke, ja von einem Schlangenbiß die Rede, die Kains Todes- Ursache bilden. — Das Begräbnis Abels lehren Kain nach Jüdisch-christlicher Sage die Vögel, Koran und Pirke d’ Rabbi Eliezer nennen den Raben. Ueber Kains Tod (6. Kap.) gibt es verschiedene Meinungen. Nach dem Jubiläenbuche stürzt sein Haus über ihm zusammen, nach rabb. Ansicht kommt er in der Sintflut nach großen Leiden um. Die verbreitetste Sage ist die, daß er durch Lemech stirbt, nach einer Ansicht von Lemech beabsichtigt, nach anderer durch unglücklichen Zufall. — A. zeigt, daß viele Meinungen der Agadisten sich durch deren Stellung zur Lernechsage erklären lassen, indem man sie teils ablehnte, teils anerkannte. Während Güdemann es für ein gleich erfolgreiches Unternehmen ansieht, ,,Schmetterlinge zu dressieren, aus Sonnenstrahlen ein Haus zu bauen und die Agada in ein System zu bringen“, glaubt A. nachgewiesen zu haben, daß die ״bunten Agada-Schmetterlinge sich einfangen und zu recht bürgerlichen V Familien vereinigen lassen“. ״Es läßt sich auch nachweisen, daß manche Agadas, die äußerlich gar keine Verwandtschaft miteinander zeigen und scheinbar nichts miteinander zu tun haben‘ innerlich eng verbunden sind, und einen streng logischen Zusammenhang bilden“. Ja ״es läßt sich auch in manchen Fällen zeigen, daß solche unterirdischen Wurzelfäden von den zarten Blumen der Agada zu den mächtigen Eichen der Halacha sich hinziehen.“ Ueber Charakter und Ursprung der rabbinischen Sagen gibt es zwei entgegengesetzte Meinungen, Nach J. Braun muß die Agada absolut nicht jünger sein als der biblische Text, an den sie sich anlehnt, nach .Güdemann ist, was in;den Midraschim vorliegt, zumeist Kunstsage. A. stellt fest, daß ״Kunsttümlichkeit und Volkstümlichkeit der Sagen in bezug auf den Grad ihrer Wahrscheinlichkeit in gradem Verhältnis zur Uebereinstimmung zwischen Text und Deutung stehen“. ״Je vollständiger und glatter der Text durch die Sage erklärt wird, desto größer die Wahrscheinlichkeit, daß wir es mit einer Kunstsage zu tun haben ... Ist aber aie Deutung gezwungen und gekünstelt und hat sie im Texte keine oder nur schwache Anhaltspunkte, so darf die zur Deutung verwendete Sage als echte Volkssage betrachtet werden.“ Für die . Lemechsage gewinnt A. so die Wahrscheinlichkeit, daß sie eine Kunstsage? für die Sage vom Untergang Kains in der Sintflut, daß sie eine Volkssage ist. Den Abschluß des Buches bilden die Interpretationen von LXX, Philo- Josephus, Henochbuch, Symmachus zu Gen. 415 und 2324־• Während LXX. בעתים^ sonst, ״durchwegs mit siebenfach k1z1a1zkdc,\0^ kTzza.izkaQioxz, k-zza^zka^Mv übersetzt, drückt sie das Wort hier in v. 15 durch sieben Strafen aus und gibt es v. 24 durch sTCTctxic wieder, das dem hebräischen שבעי נזעמים .. . entspricht.“ A. glaubt, daß LXX mit ihrer ungewöhnlichen Uebersetzung jene Sage andeutet, nach welcher Kain mit sieben Strafen gestraft wurde (״Testament Benjamins“). Philo bezieht v. 15 die Strafe auf den, der Kain tötet und deutet die Siebenzahl dahin, daß mit dem Täter, dem denkenden Menschen, seine sieben Mithelfer — die Sinne, das Sprach- und Fortpflanzungsvermögen mit gerichtet werden.. Nach Josephus werden sieben Geschlechter von seiner Nachkommenschaft gestraft. Beide deuten den Vers dahin, daß Kain, als dem ersten Mörder, der kein warnendes Beispiel vor sich hatte, die Strafe erlassen ward. Nach christlich-jüdischer Sage sind bei dem Tode Kains zugleich sieben Generationen seiner Nachkommen mit ihm umgekommen. — Auf die Frage, warum die Bestrafung Kains hinausgeschoben würde, geht die rabbinische Agada nicht ein. Vielleicht, daß sie mit Jonathan ihn seine Tat bereuen läßt, vielleicht, daß sie mit Hieronymus ihm Zeit zur Buße lassen wollte. Dieses Motiv, nach dem dem Sünder Frist zur Buße gewährt wird, findet sich oft im Midrasch. — Eine alte Akzentvarianta

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