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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 4 · p. Seite 103

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 4
Article
Zur Religionsphilosophie der Gegenwart
Date
1923-01-01
Page
Seite 103 (sequence 23)
Language
German
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103 'יי Religionsgeschichte sind verschiedene Disziplinen. Die * Religions- Philosophie hat es nur mit der' pönderablen Religion zu tun. •' Was ist der Gehalt der pönderablen Religion? Das G o t't e s - Bewußtsein, denn in ihm konzentriert sich der Gehalt der wirklichen, lebendigen Religion. Die Religionsphilosophie hat die Quellen, Formen und Wahrheit des Gottesbewußtseins festzustellen. Wenn der Positivismus recht hat, so ist das :'Gottesbewußtsein mythisch, ohne Wert und gibt es keine ponderable Religion. Denn dann ist Religion eine Schöpfung der Phantasie als vorwissenschaftlichen Denkens (Comte) oder des metaphysischen Denkens (Spencer) oder des emotionalen Denkens (Feuerbagh). Ponderable Religion aber behauptet, überhaupt keine konstruktive Schöpfung des menschlichen Geistes zu sein, sondern unmittelbares Gottesbewußtsein auf Grundlage religiöser Erfahrung. Also auch nicht eine Charakteristik als emotionales Denken höchster Art, nämlich als Postulat des sittlichen Willens (Kant) entspricht der Intention der religiösen Erfahrung. Erfahrung bedeutet unmittelbares W i r k 1 i c h k e i t s b e w u ß t s e in. Unmittelbares Bewußtsein von der Wirklichkeit Gottes nimmt ponderable Religion für sich in Anspruch und b e g r ü n d e t diesen Anspruch auf der Tatsache, daß. es Eindrücke gibt, in denen die Seele die Wirklichkeit und Gegenwart Gottes erlebt. Obwohl diese Eindrücke Wahrnehmungen, irdische Eindrücke sind, erlebt die Seele doch in ihnen Unirdisches, •Gott. Die religiöse Grunderfahrung ist ,,ein herzerhebender Eindruck von ünirdischem;;■Gehalt1 2.4‘ Die irdischen Eindrücke sind dem allgemeinen Kausalzusam-v menhang angehörig und dennoch tritt in ihnen־ ein Unirdisches, Gott hervor. Religion ist also die Durchbrechung des Weltbewußtseins durch das Gotteserlebnis. Ein aus irdischen Eindrücken entstehender unirdischer Eindruck ist Offenbarung. So ist Offenbarung der Grundbegriff der Religion und eine Religiönsphilosophie, die nicht zu diesem Begriff vordringt ist Ideologie. ,,Durchbrechungen des Weltbewußtseins, die die Unverbrüchlichkeit des Näturzusammenhanges zur Voraussetzung haben, eindeutig irdische Erscheinungen von eindeutig unirdischem Gehalt — wenn das nicht, ,Offenbarungen“ sind, dann hat es nie etwas in der Welt gegeben, was diesen großen Namen getragen hättet“ . Wenn die Religion ein Ertrag von Erfahrungen ist, so müssen diejenigen Urteile in ihr, die keine solchen Erfahrungen aussprechen, sekundäre Urteile sein, so sind: auch der Schöpfungsglaube und Unsterblichkeitsglaube nur sekundäre Elemente der Religion; geschweige daß Theologie und Dogmatik den Kreis religiöser Erfahrung überschreiten.; Wie das Gottesbewußtsein ein unmittelbares Erleben ist, so ruht auch der Inhalt des Gottesbewußtseins auf religiöser. Erfahrung. Wir werden diesen dahin zusammenfassen dürfen: Wenn die Religion vom Göttlichen spricht, so deutet sie auf ein Wesen hin, das durch die drei grundlegenden Merkmale des Unirdischen, 1 Scholz: Religionsphilosophie, S. 108. 2 Scholz: ebenda, S. 113.

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