Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Religionsphilosophie der Gegenwart
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 22)
- Language
- German
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102 heit des Rationalen und Irrationalen. Ueberwog zuerst das irrationale, numinose Moment in der Religion, so war doch auch sie. nicht leer des sittlichen Gehaltes, . so gewiß V e r trau e n aller Religion wesentlich ist. . Die Religion des Judentums ist die klassische Einheit des Irrationalismus und des Rationalismus in der Religion. Wir danken es Otto, daß er uns die I r r a t i o n a 1 i a t des Glaubens wieder , ursprünglich hat ergreifen und uns die so vertraute Bibel erneut zum Erlebnis des Heiligen hat werden lassen. Wir müssen es uns an dieser Stelle versagen, auf den reichen religionsgeschiehtliehen Gehalt seines Werkes über das Heilige, seine Darstellung der Frömmigkeit Mosis, Hiobs, der Evangelien Luthers usw. einzugehen, da das Wesen der religiösen Erfahrung uns beschäftigt. In der Darstellung des Christentums, insbesondere in der Darstellung der Persönlichkeit Jesu wertet Otto den numinosen Gehalt des kanonischen Christusbildes. ,Hier allein zwingt uns die Wahrhaftigkeit auszusprechen, daß dem Judentum eine solche Wertung nicht möglich ist. In der Vision des Jesaia verhüllen selbst Engel ihr Antlitz vor Gott, geschweige daß ein Mensel! ihm gleiche. Otto hat sich in früheren religionsphilosophischen Arbeiten der Religionsphilosophie von Fries angeschlössen, und diese Position ist auch die erkenntnistheoretische Grundlage seiner Religions- Philosophie des ״Heiligen“. Dann aber reichen die Prinzipien der wissenschaftlichen Erkenntnis nach Aufhebung des raum-zeitlichen Schemas zum Absoluten und'die ״Ahndung“ ist das Ergreifen des rational und ethisch Absoluten in der Erscheinung; Wie merkwürdig kontrastiert diese Rationalität des Absoluten zum Numen des Heiligen! Oder ist die Wissenschaft nicht so rational, wie Otto mit Fries glaubt? Hier wird der Wert der philosophischen Arbeit von Denkern wie James, Bergson, Simmel, Eucken, Troeltsch auch für die Philosophie der religiösen Erfahrung deutlich! Religionsgeschiehte und Religionspsychologie aber enthüllen Otto das Wesen des Heiligen und damit das Wesen der Religion, weil Religi on, selbst ihn innerlich belehrt. 4. Scholz1. In umfassender Ueberschau und kritischer Durchdringung der Probleme und der Geschichte der Rtdigionsphilosophie hat Scholz in seiner ״Religionsphilosophie“ ein Werk geschaffen, in dem wir wie kaum in einem zweiten unsere eigenen Ansichten und Ueber- Zeugungen vom Wesen und Wührheitsgrund der religiösen Erfahrüng ausgesprochen finden: , Die p*hil o so p hi s c h e Untersuchung gilt allein dem Weset! und der Wahrheit der Religion, die sich als fähig erweist, uns durch ihren Gehalt in Anspruch zu nehmen und ein wesenhaftes Moment unserer Lebensanschauung zu sein, der p o n d e r a b 1 e n Religion im Unterschiede von dem Interesse, das die Religions wissens c h a f t an alle n religiösen .Erfahrungen nimmt, auch. an denen, die ihre Bedeutung für uns verloren haben. Religionsphilosophie und 1 H. Scholz; Religionsphilosophie. 2. Aufl. Berlin 1922; Die Religions- Philosophie des Als-Ob 1921; .Der Unsterblichkeitsgedänke, 1920.