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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 4 · p. Seite 98

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 4
Article
Zur Religionsphilosophie der Gegenwart
Date
1923-01-01
Page
Seite 98 (sequence 18)
Language
German
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erweist sich selbst dem, der sie hat, so gewiß Intuition von allem Beweis unabhängig ist. 3. Otto1. Verdanken wir James den Bruch mit dem rationalistischen Monismus in der Religionspsychologie und die Anerkennung einer Irrationalen mystischen Gotteserfahrung als Quell der Religion, wie •die Hervorhebung der Bedeutung des religiösen Erlebnisses für die Lebensgehalte des Frommen, so glaubte James doch qualitativ das religiöse Gefühl von analogen irdischen Gefühlen nicht unterscheiden zu־können. Hier nun war es Otto Vorbehalten, die Religionspsychologie auf einen Gipfel zu führen, von dem aus sie den tiefen Grund und die Eigenart des Religiösen erfaßt. Befreite Schleiermacher die Religion aus dem Bann des Rationalismus, so dringt Otto zu dem spezifisch religiösen Gefühl vor, xdas Quell aller religiösen Intuition ist. Während Schleiermacher, Freund und Mitverschworener des Romantikerkreises, in einer metaphysischen Weltbetrachtung lebte, in der Kunst, Religion und Philosophie zur unauflöslichen Einheit verbunden waren, so daß die ,,Anschauung des Unendlichen" ebenso sehr Frömmigkeit als Weisheit war, ergreift Otto im Gegensatz zur positivistischen Nivellierung der Religion durch die Wissenschaft ihre ewige und unvergängliche Eigenart. Das ,,Heilige" ist Gegenstand aller religiösen Verehrung. Wir sind gewöhnt, im Begriff des ,,Heiligen" das Merkmal sittlicher Vollkommenheit als entscheidend zu erkennen. Und zweifellos besteht der Vorrang der monotheistischen Weltreligionen vor den Religionen der Primitiven in der sittlichen Reinheit und Erhabenheit des Gottesbegriffs. Wenn aber Religion und Sittlichkeit nicht iden״ tischssihd, so ist es notwendig, gerade die irrationale Eigenart des religiösen Gegenstandes zu deutlichem Bewußtsein zu bringen, durch welche Gott mehr und anderes ist, als das bloße Ideal sittlicher Güte. Welches ist die außerethische irrationale Wesenheit des Heiligen? ■ Schleiermacher glaubte in dem Gefühl Schlechthinniger Ab״ h'ängigkeit das spezifisch religiöse Gefühl zu definieren. Abhängigkeit und selbst schlechthinnige Abhängigkeit bringt aber nur die menschliehe Ohnmacht und Schwäche zum Ausdruck, ohne die Eigenart des .Obj ekts zu verraten, von dem der Mensch sich abhängig weiß. Auch Abhängigkeit vom Universum sagt nichts über die Beschaffen״ heit des Gegenstandes frommer Scheu. Im ,,Kreaturgefühl" wird schon, .energischer auf eine lebendige persönliche Macht hingewiesen, vor der der Religiöse sich Staub und Asche fühlt, auf ein Objekt eigner und bestimmter Art. Otto nennt es.Numen, um den weitesten Inbegriff religiöser Objekte zn umfassen. Was ist das Numen, das Gegenständ aller religiösen Gefühle ist? Angebbar wird es nur sein durch seinen besonderen Gefühls״ refiex im Gemüte. Betrachten wir das Unterste und Tiefste in jeder stärken frommen Gefühlsregung, sofern sie noch mehr ist als Heils״ glaube; Vertrauen und Liebe, so enthüllt es sich uns als das mysterium 1 R. Otto: Kantisch־FriesJsche Religionsphilosophie; Das Heilige.

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