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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 4 · p. Seite 96

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 4
Article
Zur Religionsphilosophie der Gegenwart
Date
1923-01-01
Page
Seite 96 (sequence 16)
Language
German
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96 natürlichen, das bleibt sich gleich. So weit unsere idealen Triebe in. dieser Region ihren Ursprung haben (und die meisten von ihnen haben tatsächlich hier .ihren Ursprung, denn sie kommen in uns zur Herrschaft, ohne daß wir recht erklären können, wie), gehören wir wesentlicher zu ihr als zur sichtbaren Welt, denn wir gehören letzten Sinnes dahin, wohin unsere Ideale gehören. Doch diese in Frage stehende unsichtbare Welt ist nicht nur in der Idee vorhanden, denn sie übt Wirkungen auf diese Welt aus. Pflegen wir den Zusammenhang mit ihr, so erfahren wir die Folgen an unserer Persönlichkeit: wir werden neue Menschen und auch unser Leben in der Sinnenwelt nimmt nach unserer ■Umwandlung zum. Besseren entsprechende Formen an/‘1 Daß der Gott, mit dem wir beim Ausgehen vom diesseitigen Rande unseres unterbewußten Selbst am jenseitigen Rande in Beziehung treten, der absolute Weltherrscher ist, ist natürlich ein beträchtlicher ״Sonder“glaube. Aber wenn es auch ein ״Ueber“- glaube ist, so findet er sich doch fast in allen Religionen. ״Ich kann natürlich die Miene des sogenannten Wissenschaftlers annehmen und mir einbilden, es gäbe nur eine Welt der Sinnesempfindung und der wissenschaftlichen Gesetze. Aber wenn ich das tue, so höre ich jedes Mal eine warnende Stimme im Inneren das Wort Torheit flüstern. Torheit, wenn es auch einen wissenschaftlichen Namen trägt. Betrachte ich die menschliche Gesamterfahrung unbefangen, so werde ich unerbittlich über die engen wissenschaftlichen Grenzen hinausgetrieben. Aus objektiven wie aus subjektiven Gründen muß ich also bei meinem Sonderglauben bleiben. Und wer weiß, ob nicht die Treue der einzelnen Menschen gegen ihren Sonderglauben objektive Bedeutung für das Universum hat2.“ Eine kritische Würdigung dieses Hauptwerkes psychologischer Untersuchung des Wesens der religiösen Erfahrung wrird die erhellenden Aufschlüsse feststellen, die über bisher unerforschte Tiefen des religiösen Lebens hier gegeben werden. Die schlichte Anerkennung der Unmittelbarkeit des mystischen Bewußtseins, der Realitätsgefühle des religiösen Erlebens, des Erfahrungscharakters der Religion, ihre Abgrenzung und Sicherung gegen das empirische Bewußtsein, die Charakteristik der religiösen Temperamente und ihrer Bedeutung für die religiöse Erfahrung, die Aufhellung der Begriffe der Bekehrung, Gnade, Heiligkeit sind unverlierbare Erkenntnisse der Religionspsychologie und Religionsphilosophie. Trotz der Unbewußtheit alles genialen Schaffens erscheint uns aber doch die psychologische Erklärung der religiösen Erfahrung als Erfahrung der Traumsphäre des Unterbewußtseins den Tatsachen nicht ganz entsprechend. Denn so gewiß in gesteigerter religiöser Erfahrung Traum und Vision Form der religiösen Erfahrung ist, so ist doch die normale religiöse Erfahrung voii ihnen unabhängig. Hier würde eine deutliche Abgrenzung des religiösen Gefühls gegen verwandte Gefühle uns weiter 1James: Religiöse Erfahrung, S. 398. 2 James: ebenda, S. 400. v ,

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