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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 4 · p. Seite 85

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 4
Article
Zur Religionsphilosophie der Gegenwart
Date
1923-01-01
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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schiedenen. Kräfte hat. Hoffnung ־und Furcht gelten wie den Lebenden, so in erhöhtem Mäße den Toten. Bestattung, Verbrennung und anderseits Trauerklage ’ Bewirtung sollen vor gefürchteter Feindschaft schützen. Im Traum erscheinen Entfernte und Verschiedene, zeigt sich also das Schattenbild der Psyche vom Körper unabhängig. Die mit dem letzten Hauch vom Körper sich lösende Hauch-Seele ver-; bindet Körperseeie und Schattenseele, schafft Uebergänge in mannigfaltigen Verwandlungen der Phantasievorstellungen, dem Seelenwurm, der Seelenschlange, dem Seelenvogel. Durch ,,Motivwander‘ erwächst aus diesen Verwandlungen die Vorstellung der Befreiung der Seele aus dem Körper. Visionen und Ekstasen verstärken die Empfindung der Unabhängigkeit der Seele vom Körper. Seher und Zauberer haben die Fähigkeit, bei Lebzeiten der Haft des Körpers zu entrinnen und in Verkehr mit den Seelen zu treten, deren Wirkungen durch Gegenwirkungen aufzuheben. Die Magie der Zauberbrauche ist der Kultus des Animismus, des Seelenglaubens. Diese Totengeister aber sind zunächst individuelle Wesen; verlieren sie ihre Individualität, so ,werden sie zu Geistern, die die Gräber umschweben, Orte des Grauens bevölkern, die beängstigenden Träume senden. . Als Dämonen vermögen sie von irgend einem beliebigen Gegenstand Besitz zu ergreifen. Der Fetisch, wie dieser Gegenstand dann heißt, kann das Verschiedenste, die rohe Nachbildung einer menschlichen oder tierischen Gestalt, ein beliebiges Stück Holz, ein Pfahl, ein Erdhügel sein. Wesentlich ist nur, daß das in ihm wohnende seelenartige, dämonische Wesen Zauber- Wirkungen ausübt, die selbst wieder durch Handlungen eines magischen Zaubers bestimmt werden können. Der Fetisch ist ein von dämonischer Kraft beseeltes Objekt, gegen das Amulette und Talismane zu schützen vermögen. Im Gegensatz zu Amulett und Talisman aber wird dem Fetisch ein Kultus gewidmet und damit die Glaubensvorstellung zum gemeinsamen Besitz der Gemeinschaft erhoben. Während_der Animismus Glaube und Zauberkult der zusammenhangslosen, kulturlosen Horde ist, gehört der Fetischismus bereits einer höheren Stufe des Gemeinschaftslebens an. Der Fetisch schützt die Gemeinschaft bei Krieg, Jagd, der Bebauung des Bodens, wenn sein Kultus geübt wird, der in Musik und mimischen Tänzen besteht. Ebensowenig aber wie der Animismus des Seelenglaubens ist der Fetischismus auch nur als niedrigste R e 1 i g i o n s f o r m zu betrachten. Aber aus diesen vorreligiösen. Formen des Mythos entwickelt sich die Religion. Die weitere Stufe der mythologischen Entwicklung ist alsdann der Totemismus, die Verehrung von Tieren als gemeinsamer Ahnen von Menschen und Tieren. In dem Kultus des Totemtieres findet das deutlicher hervortretende Stammesbewußtsein der Horde seinen ursprünglichen Ausdruck und verehrt in dem Totem, dem Ahnentier, den Schutzdämon des Stammes. Nun werden gewisse kultische Zerenionieen notwendig inne zu haltende Normen des Lebens, auch wenn kein besonderer Anlaß vorliegt, nach Hilfe oder Schutz zu begehren. Der Kultus wird Selbstzweck der Verehrung des Totem und löst sich aus dem Barm des Zauberkultus. Die Vor-

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