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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 4 · p. Seite 301

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 4
Article
Ein neues Dokument zur Geschichte der Judenvertreibung aus Schlesien im Jahre 1453
Date
1922-01-01
Page
Seite 301 (sequence 3)
Language
German
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dem chuerczisten hie verschriben hab. Von erst haben die Juden hie, nämelich die eldisten mit ainem iuden, genannt Jacob Salmanus sun1, der ain iungerpöser iud ist, geredt in der nägsten vasten erscholl der kristen Got zu wegen pringen und den von aynem Christen chauffen. Also ist ein pawr von Polan von der älss auff vier meyl von Bressla gelegen zu den selben iuden körnen und hat ainn alten rokch von ym gekaufft, der iud hat mit im geredt: ,,magst du mir ewern Got zu wegen pringen, ich woldt dier ainn rokch und geltcz genueg und deinem weib ainen mantel geben“. Der polakch het sich des verfangen und darnach am mitichen in der antlaswochen 2 do het er ain chirchen auff dem veld pay ainem dorff gelegen aufgeprochen und das heiligist Sacrament ainn grozzen tail gestollen. Als man des morgens die lewt am antlastag solt bericht haben, und als er das auss der kirchen getragen het gar spat, do was ain solich weiter chömen, das er ym gar ser gevorcht het und het auf zehen oder aindleff partikel genomen in ain tuechel, das ander hat er mit der kebsen auf dem veld ligen lassen und was mit den in die stat gangen hintcz ainer frawn, die hat ainen richterchnecht hie in der stat, do was der mesner des andern tags chomen von der älss und vandt den poleken zw Bressla, den wold er angevallen haben. Do was er im engangen und chom auss der stat, und het des richters knecht weib das heiligst Sacrament zu behalten geben, dye trueg er darnach under dy Juden zu ainem, der hies Mayer 3, der hat sich in der venknusz selber getött4, ee wir her komen sein5, der selb iud besach dye ho&tia, der waren zehen oder aindlef, do wold der iud der frawn gelt geben haben, do erschrakch dye fraw und laff zu der tuer und zu dem haus aus vor vorichten und wolt nichtcz nemmen. Er schikt ir seinn sun nach, das weib woldt hin wider nicht, dye ligt samht dem poleken hie noch gefangen. Also schikt Mayer der iud pey seinem chnecht das heiligist Sacrament in aynem puchslein zu dem iuden, dem es empholhen was zu kaufen als oben stet, des iud knecht schütt es auf dem weg aus der puksen in sein handt und zellat dye scheibel. Nun der Mayer in seinem haus ab ainen pissen, das ward gestalt aussen rot, als pluet darauf wer gesprengt, und als ob es verpachen war in dem eysen. Do legt er es wider in die puksen und prachts dem obgenanten Jacob Salmanus. 1 Er wird sonst auch Jacob, der Sohn des verstorbenen Salomon — Judeus Jacob, olim filius Salomonis genannt (Brann 1. c. LXXIII, siehe auch, pag. 130, Note 1, und LI Nr. 55). 2 Mittwoch vor Ostern (28. März). Der folgende Gründonnerstag heißt Antlastag. 3 Mayer und der später angeführte Abraham von Oppeln mußten, wie Brann richtig vermutete, darum in den Geständnissen der der Tortur unterworfenen Juden genannt werden, weil sie damals die Vertreter und Aeltesten der Breslauer Gemeinde waren (1. c. 131, Note 3, siehe auch LIV Nr. 74). 4 Angegeben wird, daß sich der Breslauer Rabbiner Salomo in der Nacht vor der Verbrennung der 41 Juden auf dem Scheiterhaufen im Gefängnisse selbst getötet habe und ״nicht ohne Erfolg seine Leidensgefährten aufgefordert hat, ihm freiwillig in den Tod zu folgen“ (Brann 1. c. pag. 133). 5 Die Breslauer Verbrennung fand am 4. Juli 1453 statt, der Bericht ist nach derselben geschrieben — ״Samstag nach sant Ulreichstach“; die königliehen Sendboten trafen ungefähr anfangs Juni in Breslau ein; es mußte der Selbstmord Mayers also an einem früheren Tag als am 3. Juli erfolgt sein.

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