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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 4 · p. Seite 293

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 4
Article
Der Bürge nach biblischem Recht
Date
1922-01-01
Page
Seite 293 (sequence 15)
Language
German
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293 und in dem vorerwähnten Bericht Exod 28 und 24 zur literarischen Darstellung gelangt — diese Auffassung tritt mit besonderer Klarheit in der altbabylonischen Bürgschaftsterminologie in Erscheinung. In manchen altbabylonischen Rechtsurkunden dient als technische Bezeichnung für Bürge mukil qaqqadiäu, wörtlich : der das Haupt (des Schuldners) hält. Mit Zuhilfenahme der in den altbabylonischen Briefen unter den Segenswünchen an den Adressaten häufig begegnenden Redewendung: ilum näsirka reska ana damiqtim lilcil dein Schutzgott möge dein Haupt zum Glücke halten, d. i. dich beschützen, damit du Glück habest, wird dieser Ausdruck dahin erklärt, daß der altbabylonische Bürge durch sein Eintreten den Schuldner dem Zugriff des Gläubigers entzieht, oder mit anderen Worten, daß er den Schuldner derart beschützt, daß dieser ,,erhobenen Hauptes“ frei von Schuld und Fessel einhergehen darf1. Durch diese Aufstellungen erscheint mir das Verständnis einiger Bibelstellen ins rechte Licht gerückt, beziehungsweise die Richtigkeit des massoreti sehen Textes derselben gegenüber der Konjekturalkritik sichergestellt. So vor allem Ps 119122: עלב עבדך לטוב. Duhm und von ihm unabhängig Müller2 wollen im Hinblick auf דברך v. 114 und כאמרתךv. u6 statt'דברך — עבדך lesen und übersetzen: Verpfände (du Gott) dein Wort zum Guten. Aber ganz abgesehen davon, daß die Redensart in unserer heutigen Umgangssprache ,,sein Wort verpfänden“ der biblischen Darstellungsweise, die namentlieh in der Rechtssprache am Konkreten haftet, nicht entspricht, widerspricht sie auch alledem, was sich aus der Rechtsvergleichung für die Verwendung des terminus ערב uns bisher ergeben hat und im nächsten Abschnitt aus der Terminologie noch bestimmter ergeben wird. Zudem ist die Aehnlichkeit von צרב עבדך לסוב und der vorerwähnten altbabylonischen Briefschreiberphrase ״dein Schutzgott möge dein Haupt zum Glücke halten“ eine so frappante, daß es vielleicht nicht allzugewagt erscheint, auch in Ps 119122 die An- Wendung eines im Volksmunde formelhaft gebrauchten Segens- Spruches zu erblicken. Endlich weisen Ps 119 v. 124,125 und besonders jes 3814 עעזקה לי ערבני Ps 119 v.אל יעשקני זדים 22ב mit kaum mißzuverstehender Deutlichkeit darauf hin, daß an der massoretischen Lesart צבדך festzuhalten sei. Wie in dem nächstfolgenden Abschnitt gezeigt wird, bedeutet צלב mit dem Akkusativ in der biblischen 1 Vgl. Meissner, Beiträge zum altbabyl. Privatrecht S. 338 und Koschaker S. 3, wo auf die Analogie in der Bibel hingewiesen wird, z. B. Job 2 Duhm, die Psalmen 1899 S. 267, D. H. Müller, Strophenbau und Responsen in Bibi. Studien II S. 54.

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