Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Der Bürge nach biblischem Recht
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 294 (sequence 16)
- Language
- German
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294 Rechtssprache ״sieh für jemanden verbürgen“ und zwar in demselben Sinne, in welchem ״bürgen“ in den altgriechischen und altbabylonischen; Rechtsurkunden gebraucht wird: durch das Eintreten mit der eigenen Person für den Eintritt eines Erfolges den Bürgensteller vor dem Zugriff des Versprechensempfängers beschützen*, עלב, עבדך לטוב ist sonach zu übersetzen: Verbürge dich (Gott) für deinen Knecht zum Guten, d. i. beschütze ihn zum Guten, auf daß ihn nicht bedrängen die Uebermütigen. Ebenso betet Chiskia in Jes 3814: Bedrängt bin ich (von Feinden), verbürge (du Gott) dich für mich, d. i. beschütze mich. Aehnlich ist die Sachläge in Job 173. Ohne der im nächsten Abschnitt vorzunehmenden Interpretation dieses Verses vorzugreifen, kann nach dem bisher Gesagten festgestellt werden, daß auch hier die massoretische Lesart ערבני — der Syrer und mit ihm Duhm1 2 lesen עךב!?י mein Pfand — aufrecht zu erhalten und zu übersetzen ist: Verbürge dich (Gott) für mich, d. i. beschütze mich, worauf übrigens auch יתקע in 173b hinweist, ein Wort, das, wie im nächstfolgenden Abschnitt dargetan wird, neben ערב der übliche terminus für ״bürgen“ in der biblischen Rechtssprache ist. (Fortsetzung folgt.) Die Purim-Komödie מכירות יוסף. Eine literarische Miscelle. Von W. Staerk in Jena. ' In seiner Kritik der modernen formal-literarischen Pentateuchanalyse kommt Rabb. Dr. J. Horovitz (Die Josephserzähiung. Frankf. a. M. Kauffmann 1921) bei Behandlung von Gen 37 nebenbei kurz auf die oben genannte Dramatisierung der Einleitung der Josephgeschichte zu sprechen. Sie ist längst aus dem Gedächtnis des literaturgeschichtlich interessierten Publikums geschwunden, wie fast alles, was das deutsche Judentum des ausgehenden Mittelalters und der Zeit bis auf M. Mendelssohn literarisch hervorgebracht. Wer außer einigen wenigen Forschern weiß heute noch etwas von den köstlichen j üdisch-deutschen Nachdichtungen biblischer und weltlicher Stoffe oder von den Schätzen der jüdisch-deutschen gnomischen Dichtung des Mittelalters? Vom Samuel- und Königsbuch (vgl. MGWJ. 63, S. 21 ff.), von den humorvollen gereimten 1 Auch unserem heutigen ״bürgen“ kommt von Haus aus die Bedeutung behüten, bewahren, sichern, zu. Vgl. Amira II S. 45, Koschaker S. 5. 2 Duhm, Das Buch Hiob, 1897, S. 91.