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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 4 · p. Seite 278

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 4
Article
Die Lehre vom Heiligen Geist im Judentum und in den Evangelien
Date
1922-01-01
Page
Seite 278 (sequence 11)
Language
German
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278 thesen benutzt hat. Hat man doch allen Ernstes aus ihnen folgern wollen, daß es einen Mythos von der übernatürlichen jungfräulichen Geburt der Patriarchen gegeben habe1 — als ob je ein Jude daran gezweifelt hätte, daß er und seine Väter aus Abrahams Samen stammen! Darin hat vielmehr Leisegang vollkommen recht: diese an Bibelstellen angelehnten Deutungen haben mit jüdischer Denk״ und Vorstellungsweise nichts zu tun. ״Vater“ nennt der Jude Gott im Verhältnis zu Menschen2; vom ,,Vater der Welt“ redet er nicht3; denkt Philon nur an Vaterschaft, so der im hebräischen Sprachgeist lebende Jude an Väterlichkeit, die nicht ohne das Korrelat der Kindlichkeit denkbar ist. Und als Bild der Belehrung erscheint ihm die Befruchtung der Erde durch den Regen 4, aber nicht die eheliche Beziehung zweier Menschen: sie ist vielmehr Bild der Iffebe Gottes zu Israel 5, Israels zur Thora oder zum Sabbat 6; auch hier sieht Philon physiologisch, das genuine Judentum psychologisch. So gewiß also Philon sich wieder von Hellas abhängig erweist, so wenig kann eine ,,feste Tradition“ von der extatischen Befruchtung einer Jungfrau auf ihn gewirkt haben. Abgesehen davon, daß für ihn das Mädchen Sara nicht fester steht als der Mann Sara, ist die Vorstellung von geschlechtlich tätigen Göttern auch für einen gebildeten Hellenisten undenkbar; nicht einmal den im Anthropomorphismus befangenen Epikureern will sie Cicero7 Zutrauen. Die Parallelen aus der volkstümlichen 1 Die Ansichten von Conybeare und Badham billigt Clemen, Rel.-gesch. Erkl. d. N. T. 281. 2 Stellen wie Hi 114ל ,,den Moder nenne ich Vater3828 ״hat der Regen einen Vater-?“, Jer 227 ״zum Stein sagen sie: du hast mich gezeugt*‘ haben im Hebr. einen sarkastischen Nebenton. Ueber Gott als ״Vater im Himmel‘6 vgl. Dalman, Worte Jesu 150 ff. (gegen die L. 18, 1 mitgeteilte Ansicht von Robertson Smith, daß man Gott nicht als Vater des Individuums empfunden habe). 3 ILrfjfsve-ujp■ Sib. III 550, V 328 (Couard 33) ist eine Ausnahme, die die Regel bestätigt. Gleiches wie von Philon gilt natürlich von Josephus, wenn er Alt. VII 380 dem König David Bezeichnungen Gottes als xa\ *jfsveaic twv 0Xü)v und als ^^.100ץכןס<; av8pomvu>v xat 8st«jv in den Mund legt. 4 Dt 322, Jes 5510 u. ö. 5 Oft bei den Propheten, aber auch in der rahhinischen Exegese des Hohen Liedes. 6 Midr. Tann. Dt 334; kabbalistische Erklärung von Spr 3110ff.;לכדי דודי- 7 Cic. -Nat. deor. I 95 in Polemik gegen den Epikureer: quod et maris Üeos et feminas esse didtis, quid seqmtiir vides. Daß an solche Konsequenz nicht im Ernst gedacht wird, lehrt § 92: quae procreationis causa natura corpori adfinxit3 ea fmstra habebü deus. Die Stelle ist für die Beurteilung Phiions umso lehrreicher, da (wegen § 96!) dies Stück einer stoischen Quelle entnommen ist, also wohl dem § 123 genannten Poseidonios.

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