Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Lehre vom Heiligen Geist im Judentum und in den Evangelien
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 276 (sequence 9)
- Language
- German
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276 von dem Durchschnittsstande jüdischer und griechischer Frömmigkeit entfernt1, um so mehr Gewicht mußte er darauf legen, sie, in der Bibel aufzufinden. Das war freilich schwer, trotz der Allegoristik. Zwar, daß die Berichte der Genesis über Beiwohnung und Schwängerung von g e i s t i g e r Befruchtung zu verstehen sind, verstand sich für den Schüler stoischer Homerexegese2 von selbst. .Aber hier ist ja nur von einer Befruchtung durch Menschen (oder menscliliehe Sinnesarten) die Rede: eben die Lehre, die Philon braucht, daß Gott den Samen der Tugend in die Seele legt, scheint nicht ausgesprochen zu sein3. Allein, meint Philon, es scheint nur so'. Heißt es nicht von Gott, daß er den Mutterschoß der Lea eröffnet habe, ,,was doch die Sache des Mannes ist“4? Hat nicht Gott die Sara besucht5 unmittelbar vor Eintritt ihrer Mutterschaft? Sagt nicht die fromme Hanna von ihrem Sohne zu Gott: ich gebe dir ihn, den du mir gegeben?6 Wem sich durch solche Stellen der Blick ‘für den geheimen Sinn der Bibel geschärft hat, der begreift, weshalb Moses dem Gersom zwar den Namen gibt, aber nicht als sein Vater, bezeichnet wird, und was Isaak ,,von Gott erfleht in betreff seiner Frau“7. — Man versteht nunmehr, daß Philon diese Deutungen nur den ,,Mysten“, also den Anhängern der Allegoristik, mitgeteilt־ wissen will: was bei der Annahme bildlicher Redeweise höchste Weisheit und Frömmigkeit wäre, müßte für den, der beim Wortsinn stehen bleibt, schlimmste Lästerung darstellen. Wo sich Philon selbst auch an Anhänger des Wortsinns wendet, also in den theologischen Schriften des II. Mangeyschen Bandes, ist von diesen Deutungen verständigerweise nicht die Rede, 1 Ueher ilire Quellen und ihr Verhältnis zu jüdischer Anschauung vgl. MGWJ 64, 24 ff. : Auf die Bemerkung des Samuel di Ueeda zu M. Aboth IV 22 (mitgeteilt hei Wohlgemut!!, Das jüdische Religiohsgesetz I, 1912, 32 ff.), nach dem der Mensch an der guten Tat ,,nur soviel Anteil wie ein Senfkorn.“ hat, möchte ich schon deshalb nachträglich hinweisen, weil neuerdings Max Brod in dem S. 235 ff. besprochenen Buche ״Heidentum, Christentum, Judentum'6 versucht hat, das Gnadenmoment im Judentum zu stärkerer Geltung zu bringen. 2 Vgl. über die allegorische Deutung der. Beziehungen Abrahams zu Hagar und Sara und deren stoisches Vorbild (Beziehung der Freier zu Penelope und den Mägden) Heinemann, Poseid. metaph. Sehr. I 76, 2. 3 Wo kein bestimmter Gatte genannt ist, wie Nu 30 (Spec. Leg.* II 29 fl), hat es Philon leichter; aber es liegt ihm daran, eine exegetische Nötigung zur Beziehung auf Gott zu finden. 4 Leg. all. III 180 1; Cher. 46 nach Gen 2931. 5 Cher. 45 nach Gen 21! irceaxe<prco (statt פקד). 6 Quod deus imm. 6 nach I Sam 128. 7 Cher. 47 nach Ex 222, Gen 252!•