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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 4 · p. Seite 274

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 4
Article
Die Lehre vom Heiligen Geist im Judentum und in den Evangelien
Date
1922-01-01
Page
Seite 274 (sequence 7)
Language
German
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274 im Traum den Strahl des Apollon durch ihre Kehle (griecli. branchos) in ihren Schoß dringen sieht, so ist keineswegs ״unklar, ob das eine Befruchtung oder nur eine Geistverleihung an das schon vorhandene Kind sein soll“ (L. 42): von Zeugung durch Apollon reden griechische Quellen ganz anders; keine der antiken Ueberlieferungen über Branchos1 berichtet, daß Apollon, sein späterer Liebhaber, sein Vater gewesen sei. Es fallen also pneumatische und geistige Zeugung in ihren Wirkungen völlig auseinander: die Xnspiration der Pythia erzeugt Worte und keine Kinder, die zahllosen Vermischungen der Olympier mit irdischen Frauen erzeugen Kinder, aber keine Worte. c) Daß Philon die Lehre von der göttlichen Zeugung nicht in der Bibel fand, sondern in sie hineindeutet, ist natürlich richtig. Aber was meint er denn mit dieser ,,Zeugung“? Aus Leisegangs höchst verdienstlicher Uebersicht S. 52 geht hervor, daß Gott bei Philon bald kosmologisch als Vater der Welt, bald psychologisch als Vater der Tugend (und Seligkeit) erscheint. Beide Vorstellungen sind aber wesentlich aus der griechischen Philosophie geschöpft. Die Lehre von dem göttlichen ,,Vater aller Dinge“ fand Philon wörtlich so in Platons Timaios2, dessen Bildersprache er natürlich auf einen persönlichen Gott bezog. Gerade in diesem Dogma schien ihm ein Berührungspunkt zwischen Judentum und Philosophie (in seiner Denkweise gesprochen: ein Beweis der Abhängigkeit der Griechen von der Thora) zu liegen. Er entwickelt diese Lehre daher auch ohne jeden exegetischen Zwang, ja, im Widerspruch zur folgerichtigen Allegoristik 3, namentlich in der Schrift Ueber die Weltschöpfung. Wenn er aber auch bei der Erläuterung von Gen 1 ausnahmsweise4 einmal einen biblischen Gedanken da sucht, wo er wirklich steht, so ist doch natürlich sein Bestreben hauptsächlich darauf gerichtet, mit Hilfe jener Lehre schlichte biblische Erzählungen und Vorschriften durch Allegorisierung in die Sphäre religiöser Bedeutsamkeit zu erheben. Selbst das Gebot, Vater und Mutter zu ehren, und die Erzählung von dem Sohn, der 1 Escher bei Pauly-Wissowa RE III 813. 2 Vgl. J. Horovitz, Untersuchungen zu Phiions und Platons Lehre von der Weltschöpfung, 60 ff., und etwa das wörtliche Zitat aus dem Timaios (28 c) Spec. leg. 132. Auch Poseidonios (Diog. La. VII147) nennt Gott עסץקססי^ס T&v oXtDV mi ׳Jt.GCTSpa 7uav C(JJV. 3 Die ja Gen 1 gamicht auf Himmel und Erde, sondern auf Geist und Sinnlichkeit bezog; vgl. Leg. all. I I und die Einl. zu meiner Uebersetzung S. 9. 4 Vgl. Schriften der jüd.-heli. Lit. II 8.

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