Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Lehre vom Heiligen Geist im Judentum und in den Evangelien
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 273 (sequence 6)
- Language
- German
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273 Recht hervorhebt1, verworfen and verachtet. Als ״Mysten“ im edlen Sinn des Wortes bezeichnet er entweder, dem philosophischen 'Sprachgebrauch2 folgend, die Kenner der wissenschaftlichen Lebens־־ anschauung im Gegensatz zu den Laien, oder nach der Art der Homererklärer 3 die Erforscher des geheimen Sinnes im Gegensatz zu der beim Wortsinn stehen bleibenden Menge; und beide Bedeutungen fließen zusammen: die Philosophie liefert den Gehalt, die Allegoristik die Methode seiner Deutungen. Daß Philon auch hier nur an Mysten im genannten Sinn denkt, zeigt der Wortlaut4; welchen Grund er hat, vor dem Ausplaudern gerade dieses ,,Mysteriums" zu warnen5, wird sich bald ergeben. b) Für die Kinderzeugung infolge mystischer Inspiration beruft sich L. auf die Mythen von Semeie und von Branchos. Vor der Geburt des Dionysos geraten allerdings seine Mutter und alle, die mit ihr in Berührung kommen, in Verzückung (L. 41); darin sieht L. die Folge einer pneumatischen Befruchtung. Aber diese Wirkung geht doch von Dionysos aus, dessen extatischer Charakter sich offenbar bereits im Mutterleib bemerkbar macht; von ünmittelbarem Zusammenhang mit Zeus, dessen Wesensart die Extase ja gar nicht entspricht, ist nicht die Rede. Und wenn die Mutter des Wahrsagers Branchos unmittelbar vor der Geburt ihres Sohnes 1 Vgl. auch I 122 ff. über’den Unterschied zwischen Phiions Ausdrucksweise und der der Mysterien. 3 Ueber Krantor und Poseidonios als Phiions Vorgänger vgl. Heinemann, Poseid. metaph. Schriften I 76, 2. 3 Nach Heraklit, All. Hom. § 6 wird das Rätsel, wieso der eine Gott Apollon zwei Namen hat, ״deutlich aus der mystischen Rede, die die geheimen theologischen Weihen verkünden“. Vgl. auch § 33 und 53. Für Philon besonders lehrreich ist Quod deus imm. 61 ff., wo der Widerspruch zwischen Dt 131 (wie ein Mensch seinen Sohn erzieht) und Nu 2319 (nicht wie ein Mensch ist Gott) dahin gelöst wird, daß die Lehre von der Unkörperlichkeit Gottes nur den verkündet werden darf. Hier wird eine volkspädagogische Rücksicht, der sich auch viele mittelalterliche jüdische Denker nicht g r u n ds ät zl i ch verschlossen haben, unter stoischem Einfluß (Heinemann a. a. O. 97) noch stärker betont als an unserer Stelle. 4 § 42 erklärt.Philon: ״ln göttlichen Geheimlehren unterrichten wir nur die der hochheiligen Weihen würdigen Eingeweihten, d. h. solche, die die wahrhafte Frömmigkeit in Demut üben; jenen aber künden wir die heiligen Lehren nicht, die mit Wortschwall, kleinlicher Spitzfindigkeit und törichten Gewohnheiten prunken“, d. 11. den Vertretern des Wortsinns (ifrcov ist gegen Cohn zu halten!). Zu den Anhängern der griechis chen Geheimkulte gehören dagegen nach Philon Spec. Leg. I 323 Räuber und Dirnen. 5 § 48: ״Diese Lehren, o ihr Eingeweihten, die ihr reinen Ohres seid, nehmet als wirklich heilige Geheimnisse in eure Seelen auf und plaudert sie keinem der Uneingeweihten aus.“