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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 4 · p. Seite 272

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 4
Article
Die Lehre vom Heiligen Geist im Judentum und in den Evangelien
Date
1922-01-01
Page
Seite 272 (sequence 5)
Language
German
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; י ך■; : •.':■272 Es kommt auch zu der seltsamen Vorstellung, daß die prophetischen Worte nicht aus dem Munde, sondern aus dem Leibe der Seher dringen1. Diese längst bekannten Nachrichten, die den Unterschied zwischen mystischer und jüdischer Lehre grell beleuchten, beweisen aber noch nicht, daß aus der Inspiration einer Prophetin ein Kind hervorgehen kann. Leisegang versucht nun, durch Korn-; bination rein griechischer, phiionischer und neutestamentlicher Stellen das Vorhandensein eines solchen Volksglaubens zu erweisen. Die Tragweite dieses Versuches liegt auf der Hand. Das religionsgeschichtliehe Rätsel, daß inmitten des jüdischen Volkes mit seinem (wie wir sahen) zunehmend vergeistigten Begriff vom חח הקדש der heilige Geist als Vater eines Kindes gedacht werden kann, scheint seine Lösung zu erfahren aus der Lehre der griechischen Geheimkulte. Hat es eine solche Lehre gegeben? Wir möchten der Beantwortung dieser Frage umso weniger aus״ weichen, da wir hoffen, durch ihre Erörterung verbreitete Irrtümer bezüglich der Vorstellungen des alexandrinischen und des palästinischen Judentums beseitigen zu können. L. beruft sich nämlich auf jene vielbesprochenen Stellen bei Philon, vor allem De eher. 42 ff., nach welchen (auf Einzelheiten kommen wir zurück) G o 11 in allegorischem Sinne als Vaterder Kinder der Patriarchenfrauen gilt. Daß diese Stellen auf eine hellenistisch-mystische Lehre von der Zeugung eines Kindes durch einen Gott zurückgehen, sucht er zu beweisen (a) durch Phiions. Selbstzeugnis, (b) durch griechische Parallelen, vor allem (c) durch den Zusammenhang der Stellen, der nur aus dem Zwange einer vor Philon feststehenden Vorstellung erklärlich sei. a) Daraus, daß Philon die Lehre von der göttlichen Zeugung De eher. 42 als ,,Mysterium“ bezeichnet, soll hervorgehen, daß er ,,mit vollem Bewußtsein vom Mysterienkult seinen Ausgang nimmt“ 2 * * *, Aber die Mysterien, die Philon an manchen Stellen lobt, -sind nie die des Volksglaubens: diese hat er vielmehr, wie L. 34 mit 1 Daher der Ausdruck L. 39. 2 L. I 235, 11 44; ähnlich Usener, Zeitschrift für Neutest. Wissen- Schaft 1903, 19 und B r 6h i e r, Les id6es relig. et philos. de Philon 118 oben. Dagegen sieht Karpp e , Etudes sur les origines du Zohar (1901) 30 — gleichfalls mit Unrecht — in unserer Stelle das ״unabweisbare Zeugnis für die Existenz einer mystischen Lehre bei den Juden‘6 der Zeit Phiions und den Anlaß, sie mit den talmudischen Nachrichten über Geheimlehren zu kombinieren, deren Zusammenhang mit den Mysterienreligionen nicht auf diese Weise zu erweisen ist.

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