Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 4 · p. Seite 253

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 4
Article
Zur Religionsphilosophie der Gegenwart
Date
1922-01-01
Page
Seite 253 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829909-2829914-2831599--45011-2831638
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

253 loren. Nicht für die Entstehung der Arten, wohl aber für die Erhaltung der entstandenen Arten bleibt der Gedanke vom Kampfe ums Dasein von grundlegender Bedeutung. 2. Berg s o 111. Dem Darwinismus ist in Bergson der bedeutendste Gegner er־׳ standen, der sich nicht mit einer Kritik der mechanistischen Lebens־׳ theorie begnügt, sondern ihr eine eigne Philosophie des Lebens entgegenstellt. Versucht der Darwinismus eine Zurückführung der lebendigen Natur auf die Elemente und Wirkungsweise der anorganischen Natur, so erweist dieser Versuch die methodische Unmöglichkeit, auf dem Wege der Reduktion der organischen auf die anorganische Natur dem Wesen des Lebens gerecht zu werden. Gäbe es keine andere Möglichkeit das Wesen des Lebens zu ergründen, so ständen wir dem Leben als einem Rätsel gegenüber. So aber verhält es sich nicht. Uns selbst vermögen wir noch auf eine andere, eine unmittelbare Art zu erfassen. Unser Ich gewährt uns die Möglichkeit einer intuitiven Erkenntnis unseres Lebens. Vielleicht, daß von hier ein Licht auf den allgemeinen Charakter des Lebens fällt. a) Ich. Auch unser seelisches Leben hat eine mechanistische - Psychologie in Analogie zur Physik aus letzten Elementen, den Empfindungen, deren mechanischen Zusammenhängen, Verschmelzungen, Vorstellungen, Assoziationen, Begriffen, der Summierung von Gefühlsqualitäten und Motivationskräften wie ein Mosaik aus letzten Bausteinen aufzubauen gesucht. Befreien wir uns von diesen Theorien, die die Voraussetzungen der P11 y s i k in die Psychologie hineintragen, und achten wir unmittelbar auf irgend einen Inhalt unseres Bewußtseins, so werden wir gewahr, daß dieser Bewußtseinsinhalt nicht isoliert für sich besteht, sondern eingelagert ist in die ganze f 1 u t e n d e Fülle unseres seelischen Lebens, nicht einen Augenblick unverändert in seiner. Qualität, sich ־ bald deutlicher, bald undeutlicher aus der Fülle des gesamten seelischen Lebens heraushebt, wie unsere Aufmerksamkeit selbst in ihrer Intensität schwankt, auch sie eingewoben den! Zusammenhang, dem Fluten unseres Lebens. So wenig es möglich ist, einen Tropfen aus dem Meer herauszuheben, ohne ihn zu etwas anderem zu machen, als 1 Bergson: Zeit und Freiheit; Materie und Gedächtnis; Schöpferische Entwicklung. E. Ott: H. 'Bergson, der Philosoph moderner Religion. R. Curtius: Die literarischen Wegbereiter des modernen Frankreich.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.