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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 4 · p. Seite 251

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 4
Article
Zur Religionsphilosophie der Gegenwart
Date
1922-01-01
Page
Seite 251 (sequence 3)
Language
German
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251 der Arten besteht die Tatsache der konstanten Veränderlichkeit, sondern sie sprengt auch den Rahmen der Arten, reißt die Schranken zwischen den Arten nieder, sodaß das ganze Reich der Natur vom einheitlichen Ström des Werdens erfüllt ist. Dieses Werden unterliegt keinerlei Zwecken und Zielen, sondern lediglich aus mechanischen Ursachen geht die rastlose Veränderung hervor, auch die, die sich in den richtungslosen Varia tionen der Individuen kundgibt. 2. Die Unausschöpflichkeit des Werdens aber bringt Individuen und Arten in solcher Fülle hervor, daß zwischen der Z a h 1 der Lebewesen und der zu Gebote stehenden Nahrung eine immer schärfere Diskrepanz hervortritt. Was die Nahrung nicht findet, geht zu Grunde. Das Finden der Nahrung, ihr Festhalten gegenüber den Mitbewerbern hängt wesentlich von der Organisation der Lebewesen ab. Die kleinste Variation kann hier von großer Bedeutung im Lebenskämpfe werden. Das schärfere Auge, der schnellere Lauf, die größere Kraft, die günstigere Farbe, welche der Verfolgung entzieht. In dem Kampfe ums Dasein wird die zufällige, d. h. aus rein mechanischen Ursachen entstandene Organisation auf ihren Lebenswert geprüft. Was nicht bestehen kann, geht zugründe und überläßt den Futterplatz der günstigeren Organisation. 3. Was überlebt, bewahrt seine Organisation nicht allein für sich, sondern vererbt sie den Nachkommen. . Hinzukommende Variationen lassen wieder die Chancen im Daseinskampf ungleich werden. Der neuentbrennende Kampf ums Dasein erhält wieder die für den Kampf am besten Angepaßten. So steigern sich die Variationen durch Summierung nützlicher Variationen. Zeiten günstigerer Lebensbedingungen lassen auch die weniger guten Organisationen bestehen, oder diese Arten wandern in noch unbesetzte Gegenden, wo sie ihren Unterhalt finden. So entsteht durch zufällige richtungslose Variation, Vererbung und Auslese im Kampfe ums Dasein die bunte Fülle der Arten, ihre Angepaßtheit für ihre Lebensbedingungen, die Entwicklung der Arten vom niedrigsten Lebewesen bis hin zum Menschen. Der Kampf ums Dasein züchtet die Arten aus der Summierung richtungsloser zufälliger Variationen und bewirkt die Entwicklung des Lebens. Auch das best organisierte Tier, der Mensch, unterliegt dem Daseinskämpfe. Der Kampf ums Dasein erfüllt das Leben des Menschen; in diesem Kampfe werden alle seine Fähigkeiten gewogen, seine körperlichen wie seine geistigen. Auch das sittliche Bewußt- 17*

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