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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 3 · p. Seite 209

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 3
Article
Kartenspiel und Spielkarten im jüdischen Schrifttume
Date
1922-01-01
Page
Seite 209 (sequence 7)
Language
German
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209 des Lebens״, das ein Teil des ersteren ist, ein moralisches Gedicht ab, dessen Verfasser Mose ben Natanael ben Salomo ist. Das Gedicht ist Toz’ot Chajim betitelt und behandelt in einem ganzen Kapitel das Laster des Spieles. Oft ist es die eigene traurige Erfahrung, die die warnende Stimme erhebt. So bringt Leon da Modena zu seiner Rechtfertigung vor: ״Ja, so hat es mein Stern mir bestimmt, ich kann’s nicht ändern.״—״* Ein Arzt, Efraim Luzatto hat die schlimmen Folgen des Spiels aus eigener Erfahrung in einem hebräischen Sonette (Bikkure haittim 5586) behandelt und in einem handschriftlich erhaltenen Liederbuche (Dr. Merzbacher, München) findet sich als Nr. 29 ein Lied von Samuel ben Mose Uri Hugerlin, das gegen das Spielen gerichtet istdas Dr. L. Löwenstein, Bezirksrabbiner in Mosbach, in ״Jüdische und jüdisch-deutsche Lieder״ herausgegeben hat und auch von Berliner in ״Aus dem Leben der deutschen Juden im Mittelalter״ (Anhang) teilweise abgedruckt ist Das Lied hat 15 Strophen ist betitelt ״Ueber das Spielen״, Es hat in gewissem Sinne sogar lokale Bedeutung, da der Dichter als Ort seines Mißgeschickes ״Weinheim״ und,״Bretheim״ (die frühere Bezeichnung von Bretten) angibt, worin, wie schon Löwenstein bemerkt, eine witzige Anspielung auf den Wein und das Brettspiel zu sehen ist. Ich gebe nur eine Strophe frei übertragen wieder: Von Morgen bis Abend ohne Unterlaß Ihr Kurzweil ist und bleibt nur das: ״Die ganze Zeit an Tischen sitzen!0 Der Hunger, der Durst ihnen garnichts macht; Es geht den Tag, es geht die Nacht — 'Sie spielen! — Sie erfaßt die Hitzen, Sie schwören, greinen, schelten, beißen, Von Gutem wissen sie nichts zu sagen, Des Gottesdiensts sie sich nicht befleißen, Ob es in Nächten, ob es an Tagen, Gebote Gottes stehn nicht in Hut, Man giert nur nach des Nachbars Gut, Drum werden sie nicht satt noch gut1. — Nicht minder charakteristisch ist das Sprichwort des Volkes. So ist das alte Talmud־Wort Bekiso, bekaso, bekoso (in dreierlei Verhalten erkennt man den Charakter des Menschen: ״beim Beutel, beim Becher und im Zorne״) schon lange auf das Spiel ausgedehnt worden, da ״Kiss״ der Beutel auch für den Einsatz, Gewinn und Verlust im Spiele gebraucht wird. — Charakteristischer ist noch: 1 E. Fuchs ״Die Juden in der Karikatur״ bringt S. 35 das Bild einer Spiel- ' karte ״VII der Jude*, wie ein Jude seinen Schuldner bis aufs Hemd auszieht.

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