Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Kartenspiel und Spielkarten im jüdischen Schrifttume
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829909-2829913-2831470--44938-2831541- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
207 stattet1. .— Im Jahre 1674 löste ein Rabbiner in Cento (Italien) ein Spielgelübde auf, weil der Gelobende zu sehr darunter litt, daß er sein ״Spielchen“ entbehren mußte2. Viele Rabbiner trugen der psychologischen Seite Rechnung und wollten den Bogen nicht zu straff spannen. So haben R. Perez b. Elia in Corbeil, R. Tobia b. Elia aus Vienne und der bekannte Glossifikator des Schulchan Aruch, R. Mose Isserles, den Standpunkt vertreten, die Willenskraft und Selbstbeherrschung der Menschen dürfe nicht überschätzt werden. Sie traten daher dafür ein, daß man am Neumond, Chanukka, Purim oder an allen Tagen, an denen kein Tachnun gesagt wird oder bei häuslichen Festen, wie bei einem Bris, Hochzeit u. dgl. spielen dürfe. Auch in der ״Wachnacht“ war es gestattet. Man versteht darunter die Nacht vor der Beschneidung, welche im Studium der Tora wachend im Hause der Wöchnerin verbracht wurde, um zu verhindern, daß das Kind ״benommen“, d. h. behext würde, oder die Nittelnacht, das ist die Weihnacht, in der man nicht ״lernen“ soll. Dagegen hat man, um die heiligen Tage vor profaner Entweihung zu schützen, das Kartenspiel für Sabbat, Pessach und Sukkos verboten, oder doch auf gewinnstlose Spiele beschränkt. (Schilte haggiborim zu Mordechäi, Schebuoth 757). Am Pessach darf man nicht Kartenspielen, weil die Karten mit Kleister geklebt waren, der doch Chomez ist3 ־— eine Begründung, die verständlich wird, wenn wir in der Geschichte des Kartenspiels über die primitive Herstellung der Spielkarten alter Zeit nachlesen> wonach sie aus mehrfachen mit Kleister aufeinandergeklebten Papieren bestanden, die zurechtgeschnitten und mit Achatstein geglättet wurden. In der Sukka sollte man nicht spielen. Dafür tritt noch 1690 Jonathan Eibenschütz, der Oberrabbiner von Hamburg in seinen Predigten Ja’arot Dewasch (S. 11a) ein, indem er verurteilt, wenn die Leute in Spielhäusern die Nächte verbringen, auch in der Sukka sich des Spieles nicht enthalten können. Auch der Kizzur Sch’lo (ein Auszug des großen Werkes von Jesaia Hurwitz Sehne Luchot habrith) (S. 108) wendet sich dagegen, daß man nach Art der Nichtjuden die Feste mit allen Arten von Spiel ausfülle, ist der Ansicht, daß die Feiertage nicht dazu da sind, daß man nur seinen Bauch mit aller Art Leckerbissen fülle, trinke, sich berausche, alle Arten Spiele und Allotria treibe. Nichts destoweniger schreibt er (S. 106): ״Wer Würfel oder Karten spielen will, muß es in der Sukka.“ 1 Gutachten III, Nr. 305; vgl. auch Kolbo ed. Fürth Resp, S. 15b. 2 Pachad Izchak sub v. נדר S. 26 b. 3 Orach chajim 447, 12, Anm.