Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zwei alte jüdische Beschreiungsformeln
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 3)
- Language
- German
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202 י י :. V . bermuoter leg dich mit solchen Worten beschwör ich dich mit neun torath un mit neun reinen sepher torath. Der Ausdruck bleibt freilich dunkel, ebenso die Form torath, die u. E. sonst nirgends in jüdisch-deutschen Texten zu belegen ist. Man erwartet toroth taures. Vielleicht wurde ת1רת des überlieferten Textes so gesprochen. b. man sol das herz legen blos auf di swehel dorüber get menich fuß un3 menich hant do mit büß ich dem peloni das herz bant herz bant: herz klam schneid dich herz von der langen als sich schneiddet der mont von der sonen das sein wor in gots nomen omen selah (selah selah beschrein jung weih as ein alten). Das Eingeklammerte ist von anderer Hand zugesetzt. Die jüdische Färbung dieser beiden Liebeszauber darf nicht darüber täuschen, daß solche halb heidnischen magischen Bann- Sprüche eigentlich mit dem religiösen Geist des Judentums nichts gemein haben. Aber man muß bedenken, daß die große Masse des mittelalterlichen Judentums ohne Zweifel stark in abergläubischen morgen- und abendländischen Vorstellungen befangen war, und man wird darum mit einiger Sicherheit behaupten dürfen, daß die Juden in Bezug auf den Gebrauch solcher Zaubermittel aufs stärkste von der sie umgebenden religiösen Kultur beeinflußt worden sind und daher unbedenklich solche Bannungen von den Christen übernommen haben, und zwar umso eher und gutgläubiger, als ihnen der ursprüngliche heidnische Sinn dieser Beschwörungsförmeln kaum noch zum Bewußtsein gekommen sein wird1 *. Zum Beweise dafür, daß diese Art intimer kultureller Beziehung zwischen Juden und Christen in Deutschland vorhanden gewesen ist, sei hier noch auf die längere Beschwörungsformel verwiesen, die Güdemann aus der Halberstamm gehörigen Handschrift des Sepher ha-’asuphoth veröffentlicht hat (MGWJ XXIV [1875] 271) und über die Ä. M ü 11 e r in Zeitschr. f. deutsches Altertum, Neue Folge VII 473 ff. gehandelt hat. Es ist das eine alte, ganz im Vorstellungskreise des germanischen Dämonenglaubens befangene Besprechung der kranken Gebärmutter (bermuoter leg dich bist as alt als ich usw.), die sicher aus dem reichen Schatze Christlieber Zaubersprüche herübergenommen worden ist. Leider ist die Handschrift, die jetzt in England liegt, für uns zurzeit nicht benutzbar, so daß wir die Lesungen Güdemanns nicht 1 [Genau so steht es ja heute mit der Scheu vor der Zahl 13, die manche Juden teilen, Ohne den Ursprung ( Judas Ischarioth) zu kennen. J. H.]