Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 3 · p. Seite 189

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 3
Article
Mose am Dornbusch
Date
1922-01-01
Page
Seite 189 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829909-2829913-2831467--44916-2831523
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

189 Kundgebung legitimieren und bekräftigen soll. Dies ist wahrscheinlieh (internationaler) Amtsstil des Altertums. Wir haben dafür eine biblische Parallele, die für die ganze Dis- Position unserer Erzählung instruktiv ist. Als Joseph dem Pharao die Träume gedeutet und guten Rat gegeben hat, ernennt ihn der König (4139ff.) 1) zum obersten Beamten im Reiche, 2) macht er ihn durch sichtliche symbolische Handlungen dazu, indem er a) ihm vor seinen Dienern den eigenen Ring ansteckt, ihn mit G e w ä n - dem von Byssus bekleiden und eine goldene Kette um den Hals legen läßt, b) seine Würde dem Volke kundtun läßt, indem er ihn in seinem königlichen Reservewagen einherfahren und vor ihm ausrufen läßt (cfr. Mordechai Est 67ff., 815ff.). Darauf — also in einer erneuten Audienz — hebt Pharao 3) noch einmal zu ihm an : ... אני פרצה und ohne dich soll niemand etwas tun oder lassen dürfen/' worauf er 4) ihm einen entsprechenden offiziellen Titel verleiht und ihn mit einem vornehmen Weibe verheiratet, — ״Und Joseph ging hinaus, um sein Amt über Aegypten zu übernehmen. Und Joseph war dreißig Jahre alt, als er vor Pharao stand. So trat Joseph vor Pharao ab und zog nun in ganz Aegypten umher", und nun beginnt er seine unanfechtbar legitimierte Amtstätigkeit. Ganz ähnlich ist die Disposition von Ex 3—7 bei der Belehnung Moses durch Gott als Gesandten und Stellvertreter: Ernennung zum Gottesgesandten — Einhändigung der Beglaubigungswunder und Ermächtigung in Gottes Namen aufzutreten und zu reden (Name =־ Ring, Stab Amtskleid und Kette) — Vorstellung vor Israel und Pharao — abermalige Anrede Gottes: 1אני יי — Darlegung der Personalien Moses — ״und Mose war 80 Jahre alt (und Ahron 83) als sie vor Pharao redeten". — Und nun beginnt die Amtstätigkeit Moses1. Die Rede von Gott ist gebildet an der Rede 1 Hier haben wir wieder ein Beispiel, wie Nebenumstände für später verschoben werden, wenn sie jetzt stören würden. In Ex 2 ist kein Name genannt׳, nicht des Vaters, noch der Mutter, noch der Schwester Moses (v. 1 איש, v. 2 האשת, v. 4. אחותו ל, v. 8 אם הילד/ העלמת, v. 9 האשת)- Nach der Kritik hatte E keine näheren Angaben über die Eltern oder er hatte andere Namen für sie oder man strich sie als widersprechend, nach andern sind die Namen für die Eltern ausgefallen. Aber ist es glaubhaft, daß man von dem größten Helden der Nation nicht die Namen der Eltern gewußt habe, zumal in einem Volke, in dem zum Eigennamen der Name des Vaters gehörte? Sondern die Erzählung will jetzt keine Namen nennen, um raschen Schrittes auf die Hauptsache, die wunderbare Errettung Moses zu kommen. Eben dies beweist, daß der Erzähler die Namen gewußt hat und sie, während er c. 2 schreibt, im Hintergrund ruhen, bis er sie c. 6 an einer Stelle gibt, die, wie der Vergleich mit Joseph vor Pharao zeigt, für den Stil der Zeit grade der rechte war.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.