Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Lehre vom Heiligen Geist im Judentum und in den Evangelien
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 11)
- Language
- German
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- Homer 1× ep/1025156
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179 י Die Adjektive für heilig bleiben unentwickelt1; dagegen wird ein Substantiv, das bei Homer jeden äußeren oder inneren Wert be~ zeichnen kann, später zum Terminus für Sittlichkeit im philosophisehen Sinn; ein Adjektiv, das von der ״gut“ zu bebauenden Erde verwendet werden oder die Hochgeborenen als die ״Guten“ auszeichnen kann, dient den Philosophen mehr und mehr zur Bezeichnung sittlicher Güte, — ohne daß die alten Bedeutungen völlig zurückträten2. Dagegen ist sehr beachtenswert, daß die (den griechischen inhaltlich nahestehenden) Worte ד1יל und טוב keine Tendenz nach Präzisierung zeigen, sondern von Trefflichkeit im weitesten Sinne — sittlichem, geistigem, materiellem — gebraucht werden, ja, daß es zur Bildung eines Wortes für Sitt-‘ 1 i c h k e i t im reinen Sinne des Wortes, also ohne religiösen Mitklang3, im Hebräischen gar nicht kommt (wie ja auch nicht zu einem Wort für Frömmigkeit ohne ethische Resonanz). Gewiß ist auch die griechische Ethik in ihren meisten Ausprägungen nicht religionsfremd; aber hier gilt die ״ F r öm mi g k e i t “ als eine der (vier) Kardinal fügenden, während es kaum zuviel gesagt ist, daß im Hebräischen jede Tugend eine Auswirkung der Frömm i g k e i t ist. Daher stammt die Verinnerlichung der hellenischen Frömmigkeit durch Männer wie Xenophanes, Platon, Poseidonios aus anderen Triebkräften als die gleichzeitige Entwicklung im jüdischen Volksgeist: sie erfolgt dort als Korrektur der Religion gleichsam von außen durch die völlig selbständig erwachsene Ethik, hier durch Selbstbesinnung der Frömmigkeit auf ihr eigenes Wesen. Höchst lehrreich ist nunmehr ein kurzer Seitenblick auf den Sprachgebrauch Phil o n s. Das Streben nach Verinnerlichung der Religion ist bei ihm nicht minder lebhaft als im Rabbinismus; er redet sogar häufiger davon. Aber die beiden von uns besprochenen Begriffe weiß er diesem Streben nicht fruchtbar zu machen: die biblische Lehre von der Heiligkeit Gottes und die Mahnung zur Heiligung des Menschen trifft sein Ohr überhaupt nicht4; der ״Geist“, von dem sich Philon die Propheten erfüllt denkt, ist das stoische 1 Das gilt für kpo; und a^io; ohne Einschränkung; daß cqvö<; schließlich, wie Fehrle gezeigt hat, von sexueller Abstinenz (nicht geschlechtlicher Sittlichkeit!) gebraucht wird, ist für uns belanglos. 2 Für epar/j und crfodiö; genügt das in jedem Lexikon zu findende. 3 Er ist bei Worten wie חסיד ,צדל! ,מוסר deutlich fühlbar; weniger, wie 1. Rabin meint* bei Dh/ ת&ה. 4 Daß er die bezüglichen Bibelverse fast nicht zitiert und nie auswertet, habe ich Jeschumn VIII 106 ff. gezeigt.