Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Lehre vom Heiligen Geist im Judentum und in den Evangelien
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 10)
- Language
- German
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178 p h e t i e •1׳■und nimmt an der Vergeistigung teil, die auch dieser Begriff, ähnlich wie die oben besprochenen erreicht, aber erst in rabbinischer Zeit2 völlig durchgesetzt hat. Wie der etwas allgemeinere Begriff der Schechina, übrigens auch ein Zeuge der Zeugungskraft rabbinischen Sprachgeistes, hat er Freudigkeit und besondere Frömmigkeit zur Voraussetzung seiner Wirkung3 *. In seiner Ausprägung trägt der Bedeutungswandel der religiös überaus wichtigen Begriffe der Heiligkeit und des Gottesgeistes seine reifste Frucht. Wohl ist die Entwicklung, die wir damit verfolgt haben, eine sprachliche: sachlich macht es keinen Unterschied, ob man die Dirne, die man verurteilt, Qedesche oder sonstwie nennt; und auch die Neuschöpfung der religiös vertieften Ausdrucksformen ist von der Bibel vollzogen. Aber erst der Sprachgeist der nachbiblischen Zeit hat durch völlige Ausmerzung der religiös bedeutungslosen und durch weitere Ent' wicklung bedeutungsvoller Bildungen das Werk gekrönt und Gefäße für den biblischen Religionsbegriff geschaffen, die den Volksgeist, ,aus dessen unbewußtem Wirken sie hervorgegangen sind, als echten, verständnisvollen Nachfahr des prophetischen Geistes erweisen. Noch deutlicher wird der eigentümlich jüdische Charakter der Triebkräfte, deren Wirksamkeit sich uns dargestellt hat, durch den Vergleich mit Griechenland. Auch im Griechischen hat ein ähnlicher Bedeutungswandel stattgefunden; und hier,, wo man die Kontinuität der Entwicklung meist besser übersieht, ist er längst dargestellt. Aber es ist sehr interessant, daß er sich hier nicht bei religiösen, sondern bei ethischen Begriffen vollzieht. 1 Auch für diesen werden natürlich Gradunterschiede angenommen. Es kommt so weit, daß Baba bathra 12a eine unbegründete Entscheidung in abfälligem Sinn (s. Toss.!) דברי נביאות genannt wird. Von solcher ״Prophetie“ ist im folgenden die Rede, wenn es heißt, ״der Weise sei mehr als der Prophet“, ein Satz, dessen Inhalt nicht weniger paradox ist, als seine exegetische Anknüpfung an Ps 9012. Denn daran, daß die inspirierten Schriften mehr Autorität haben, als alle Menschen Weisheit, ist im rabbinischen Kreise (bis einschließlich Rationalisten wie Gersonides בלחמית י״י S. 4 Lorck) kein Zweifel möglich. —Auch der Satz, daß seit der Tempelzerstörung der Geist der Prophetie auf die Weisen übergegangen sei, bedeutet schwerlich mehr, als daß deren begründete Schlüsse gleichen Anspruch auf Gültigkeit haben wie die Divination; es ist g’anz anders zu beurteilen, wenn Phiion unter griechischem Einfluß jeden Weisen einen Propheten nennt: L. I 146. 2 Noch Sech 13* sind mit den ״Propheten5‘ die Extatiker gemeint. 3 Bacher II 205 f., auch über die Beziehungen zu שכינה. Bezüglich der sittlichen Voraussetzungen ygl. auch die (bei Bacher anscheinend, nicht aufgeführte) Stelle Jer. Hör. 29 (ed. Sitomir) שנים דאוים:לרוה״ק.•■