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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 3 · p. Seite 177

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 3
Article
Die Lehre vom Heiligen Geist im Judentum und in den Evangelien
Date
1922-01-01
Page
Seite 177 (sequence 9)
Language
German
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177 Dagegen ist ~ in den rabbinischen Schriften1 eine wesentliche Veränderung bemerkbar. Zwar wenn es heißt 2, daß man an dem volkstümlichen Fest des Wasserschöpfens den heiligen Geist schöpfe, ist er noch das Organ religiöser Gehobenheit. Fast durchweg ist er der Träger der göttlichen Mitteilung an den Menschen. Diejenigen Schriften, die man als ״heilig", d. h. nicht nur als religiös bedeutungsvoll3, sondern als Schriften göttlichen Ursprungs auszeichnet, sind mit Hilfe des ״heiligen Geistes" geschrieben, der ihre Verfasser erfüllte. Als Verfasser gelten auch die Urheber längerer Reden, die nicht nur zur Charakterisierung der Redenden dienen: so hat auf Hiob und seinen Freunden der ,,heilige Geist" geruht4. Aber manchmal tritt gleichsam Gott selbst neben die redenden Personen; manche Aeußcrungen innerhalb der inspirierten Werke gelten als ,,Aussprüche des heiligen Geistes"5, also in einem noch prägnanteren Sinn als inspiriert, als die Gesamtschrift. Andererseits ist es als Verblassung des ursprünglichen Sinnes anzusehen, wenn das Erraten des Namens eines Unbekannten durch einen Rabbi auf den ״Heiligen Geist" zurückgeführt wird6. Mit solchen Gradunterschieden dürfte es Zusammenhängen, daß über die Frage, ob sich die Wirkung des heiligen Geistes bis auf die Gegenwart ausdehnt, die Meinungen auseinandergehen7: der Sinn des Begriffes wird durch sie nicht berührt. Er ist im wesentlichen zutreffend gekennzeichnet durch das Wort :״Wenn es keine Propheten gibt, so gibt es auch keinen heiligen Geist8". Er ist der Geist der Pro- 1 Bacher, Die exegetische Terminologie der jüd. Traditionsliteratur I 180 ff.; II 202 ff. Eine Entwicklung innerhalb der rabbinischen Literatur hat offenbar nicht stattgefunden. 2 Bacher II 205 oben, vgl. 206 oben. 3 Doch liegt auch dies indem Begriff, wie die Ablehnung der wörtlichen Auslegung des Hohen Liedes zeigt. 4 Bacher II 202 unter II 3. Voraussetzung ist natürlich die Wahrheit der Erzählung, an der schon im Talmud Zweifel laut werden. 5 Bacher I 181. . 6 Gamliel II.: Bacher II 204 Mitte. 7 Entweder war die Wirkung des Geistes nur an den ersten Tempel gebunden (Bacher II 206 oben) oder sie hat seit Maleachi aufgehört (Bacher I 191); wenn der heilige Geist die Belebung der Toten nach sich zieht (M. Sota Schluß: wuchtige Varianten bei תוי״ט), so bedeutet das, daß er in der Endzeit zurückgegeben werden wird. Ebenso ist es vermutlich zu erklären, daß nach, einer Angabe der Geist seit der Offenbarung nicht mehr auf Heiden ruhen, nach einer anderen Rahab ״durch den heiligen Geist‘6 Wissen über die Rückkehr der Kundschafter erlangt haben soll (Bacher I 181); ich glaube kaum, daß ein sachlicher Unterschied vorliegt. 8 Bacher II 202.

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