Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Lehre vom Heiligen Geist im Judentum und in den Evangelien
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 8)
- Language
- German
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176 des Geistes, aber schwerlich nur wegen dieser seiner äußeren Aus- Zeichnung, sondern auch wegen der reinen Großzügigkeit der Gesinnung, die bei ihm im Vergleich zu Gehasi beständig zutage tritt L Und auf der gleichen Sprachstufe kommt es zu der Verbindung רוח הקדש der heilige Geist2. Es ist der Geist unendlicher sittlich-dynamischer Ueberlegenheit, der sich dem Menschen mitteilt, um auch ihn emporzuheben. Ihn besaß der Psalmist (5112 ff•), fürchtet aber, ihn durch seine Schuld zu verlieren; so bittet er, daß Gott ihm ,,einen festen (also gegen Rückfall in die Sünde geschützten) Geist verleihe, seinen heiligen Geist nicht von ihm nehme (zur Strafe für die Sünde) und ihn mit einem willigen Geist stütze“ 3. Etwas weiter ist die Auffassung des Geistes Jes 637ff., wo er nicht nur als belehrende. Kraft erscheint, sondern auch als Leiter des Volkes in aller Not (V. 9): ,,wie das Rind, das ins Tal niedersteigt, so leitete es der Gottesgeist“ (V. 14). ,,Aber sie widerstrebten und betrübten seinen heiligen Geist; da ward er ihnen zum Feinde und stritt wider sie: Und nun gedachte sein Volk der Tage der Urzeit, des Mose: wo ist er, der sie aus dem Meere emporführte samt dem Hirten seiner Herde, der seinen heiligen Geist in seine4 Mitte legte“? Der Gottesgeist, der das Volksgeschick lenkt (u. z. nicht minder durch seine f Heimsuchung wie durch Offenbarung und Wohltat), wird mit nachdrücklicher Wiederholung5 6 als ,,heiliger Geist“ bezeichnet, um seine heiligende Absicht und zugleich die Sünde Israels als Motiv des ״Widerstrebens“ erkennen zu lassen. Auch in den Apokryphen ist der Sprachgebrauch wesentlich der gleiche0. 1 Baudissin S. 68 läßt offen, ob ״sich damit die Vorstellung des Frommen verbindetIn der Tat liegt in der Bezeichnung eine Ehrfurcht vor religiöser Ueberlegenheit, die selbst auf Frömmigkeit beruht und daher ihren Lohn findet. 2 Bei der Neigung des Hb1\, Attribute, die wir adjektivisch ausdrücken, durch Substantive zu geben, darf auf den Unterschied zwischen ״heiligem Geistcc und ״Geist der Heiligkeit“ keinesfalls das Gewicht gelegt werden, das ihm Cohen, Festschrift für J. Gultmann 1 beimißt. Eher könnte man mit Volz a. a. O. 108 die רוח הקדשה im Menschen (Test. Naft. 108f.) von der — von Gott auf den Menschen übergehenden —רוח הקדש scheiden; doch vgl. die fast gleichbedeutenden Wendungen אנשי1 קדש und עם קדוש. 3 Gegen die Beziehung der רוח הקדש auf die Lebenskraft spricht, wie Volz 112, 1 richtig bemerkt, der Zusammenhang der Bitten. Unter VerwertunS des spateren Sprachgebrauchs bemerkt Ibn Esra ־פחד שיפול ממעלת אנש דוד,״ק 4 Wohl auf Israel, vielleicht aber auf Mose zu beziehen. 6 Wie mit ähnlicher Absicht bei einer anderen sprachlichen Neubildung: ־= עם Menschheitsvolk beim gleichen Propheten 425f. 6 S. S. 175*. V /