Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Lehre vom Heiligen Geist im Judentum und in den Evangelien
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 5)
- Language
- German
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173 'S. Der Geist Gottes1• לוח kann sowohl der Geist Gottes wie ein Geist Gottes bedeuten. Natürlich ist die letztere Fassung erheblich weiter als die erstere. . Jede Neigung oder innerliche Bewegung im Einzelnen oder in Massen kann im Hebr. (wie im Deutschen und gelegentlich im Griechischen) auf einen ״Geist“ (der Eifersucht, der Schläfrigkeit, der Weisheit u. dgl.) zurückgeführt, jeder solche Geist als von Gott gesandt und in diesem Sinne als ein Geist Gottes bezeichnet werden — in ganz anderem natürlich, als man von dem Geist Gottes spricht, dessen Verleihung eine auszeichnende Gnade bedeutet2. Daher wird I Sam 1613 f. der Gottesgeist, der seit Davids Salbung von Saul gewichen ist, auf David aber ruht, als רוח י״י bezeichnet, während den Saul eine רוח רעה מאת י״י erschreckt; wiewohl dieser böse Geist später3 kurz Gottesgeist genannt wird, empfindet also doch der Erzähler, daß es nur in weiterem, u n - eigentlichem Sinn geschieht. Aber auch in seiner engeren Bedeutung hat der Begriff von Haus aus keinen rein religiösen Sinn. Der Gottesgeist wirkt in frommen Betern 4 als Lehrer gottgefälligen Wandels, dagegen in Richtern5 wie Jiftach oder Simson als reine Wunderkraft; auf ihm beruht nicht nur die Prophetie eines Mose oder Elia 6, sondern auch jene niedere Form der Ekstase, die sich von einem Verzückten auf den anderen wie durch Ansteckung überträgt7. Daher mag es sich erklären, daß die vorexilischen Propheten8 sich bezw. 1 Die sehr sorgfältige Schrift von P. V 01 z, Der Geist Gottes, 1910, auf die hier bezüglich aller Einzelheiten des biblischen Sprachgebrauches verwiesen werden muß, leidet unbeschadet der dogmatischen Unvoreingenommenheit des Vf. doch an seiner unwillkürlichen Tendenz, Erscheinungen, die ihm aus dem N. T. bekannt sind, im Alten wiederzufinden. Daher hat, wie sich zeigen wird, Leisegang, wiewohl kein Alttestamentler, manchmal richtiger geurteilt. Abgesehen davon ist meine Gesamtauffassung über den Begriffswandel des ״ Gottesgeistes“ von der seinen nicht unwesentlich verschieden. 2 Eine ähnliche Unterscheidung ist natürlich auch zwischen הר אלהים Ps 6816 von Basan und הר האלהים Ex 3! vom Horeb oder מחנה אלהים I Chr 1223 vgl. Gen 32s zu machen. 3 I Sam 16!5 f., 23? 1810, 19g. 4 Ps 143! , ähnlich 139. J Ri 310; 634; 1129? 1325; 146; 19; 1514• 6 Nu 11!7; H Kö 2g; Ez. 115; vgl. auch Nu 24a (Bileam). 7 I Sa 1920 ff. 5 namentlich das Verhalten Sauls Vers 24 trägt so deutlieh extatischen Charakter, daß der Targum (trotz 20 רוח נבואה) das Verbum התנבא stets mit שבח, und 24 ערם mit בר שן verrückt (s. Raschi) widergibt. 8 So möchte ich Volz’ Feststellung S. 62 ff. modifizieren. Es ist nicht richtig, daß seine Bedenken gegen die Echtheit von Jes 112 ״durch den Befund über die Ruh bestätigt“ würden. Es ist vielmehr durch diesen Befund ver-