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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 3 · p. Seite 172

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 3
Article
Die Lehre vom Heiligen Geist im Judentum und in den Evangelien
Date
1922-01-01
Page
Seite 172 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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172 und 1חלול השם. Erst jetzt, nach Durchdringung des sprachschaffenden Volksgeistes mit dem hochwertigen Sinne der Wurzel, werden alle Bedeutungen unerträglich, die keine irgendwie geartete Beziehung zu dem Gott der Heiligkeit enthalten; das noch im Targum zu findende מקדשתא für Dirne2 kommt in Mischna und Talmud nicht vor3; jenes fast an tabu erinnernde תקדש p Dt 22<> erklärt der halachische Midrasch קדושין;תו קד;אש für den Ehebegründungsakt ist nur scheinbare, durch den Nebengedanken an die Heiligkeit der ehelichen Beziehung gerechtfertigte Ausnahme4. Während von rein kultischer Beziehung zu Gott die Wurzel im seitherigen Umfang gebraucht wird (statt מקדש sagt man auch הקדש), treten für religiöse Einrichtungen im höheren Sinne des Wortes wichtige Neubildungen auf, die sehr beliebt werden: die Gebete, in denen Gott als der Heilige gefeiert wird, heißen קדיש und קךשה; mit קרוש wird der Feiertag als heilig nicht nur im kultischen und erst recht nicht nur im sittlichen, sondern im vollen — nach Ottos glücklichem Ausdruck: komplexen5 — Sinn des Wortes begrüßt. — So wirkt zunächst die Gedankenwelt der Bibel auf die Sprache; aber die Terminologie wirkt natürlich wieder auf das Denken und Fühlen zurück und trägt ins Leben eine Atmosphäre der - Weihe, die der jüdischen Frömmigkeit ihr eigenes Ethos gibt. Die wahrhaft rührende Unwissenheit mancher nicht jüdischer ,,Fachmänner", die sich von der Bedeutung des Ideals der Heiligkeit im ,,Spätjudentum" nichts träumen läßt6, verkennt nicht mehr noch weniger als die Seele der ,,Religion des Judentums". 1 Den. Begriff entwickelte neuerdings W 0 h 1 g e m u t h, Jeschurun 1157; vgl. auch Heinemann, ebd. VIII 113. 2 Ebenso übrigens קדשא (oft im Targum für נזם), das sich im Syrischen erhalten hat; dazu Meißner, OLZ 1922, 244. 3 Raschi zu Sanh. 82a oben erklärt מפקיר קדושתו־= 7קךש. 4 Heinemann, Jeschurun VIII 118, 1. 5 Der numinose Charakter heiliger Bücher, Gerätschaften u. dgl. hat zu besonderer Ehrfurcht in ihrer Behandlung geführt. Daher die Scheu, die Thora mit bloßer Hand zu berühren, und wohl auch die Rezeption der Reinheits- Vorschriften M. Jad. III 2 f., deren Ursprung in Tabu-Vorstellungen liegen mag. 6 Vgl. das i. a. ausgezeichnete, vom liberal-protestantischen Standpunkt aus verfaßte Nachschlagewerk Die Religion in Geschichte und Gegenwart III 397: ,,Die Heiligkeit war von Haus aus keine sittliche Größe. Die Propheten vor allem waren es, die eine Versittlichung der Gottesidee förderten. Aber das Spätjudentum hatte das reiche Erbe nicht gewahrt und jedenfalls nicht vermehrt. Die Heiligkeit Gottes war auch damals für die jüdische Vorstellung ein wesentlich negativer Begriff.“

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