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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 3 · p. Seite 171

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 3
Article
Die Lehre vom Heiligen Geist im Judentum und in den Evangelien
Date
1922-01-01
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
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171 Unbenutzbarkeit einer verbotenen Mischsaat Dt 229 durch die Worte פן תקדש המלאה ausgesprochen wird 1. Erst in rabbinischer Zeit zieht der Sprachgeist weitere Kon- Sequenzen. Zunächst zeigt sich die große volkspädagogische Leistung des Rabbinismus, der die Ideen einzelner Auserwählter zum Gemeingut des Volkes zu machen weiß, auch in der Entwicklung unserer Wurzel. Wendungen, die in der Bibel nur an einzelnen gehobenen Stellen auftauchen, werden in rabbinischer Zeit2 als ganz selbstverständlich empfunden. Die Bezeichnung Gottes als des ,,Heiligen'״, in der Bibel nur in feierlicher Redeweise und fast nur in der Zusammensetzung ,,der Heilige Israels“3 üblich, wird im Laufe der Mischnazeit immer gebräuchlicher4; der nie fehlende Zusatz בדרך הוא zeigt, daß der Ausdruck nicht ,,abgeschliffen“ ist, sondern sein Ehrfurcht weckender Charakter empfunden wird. Der biblische Gedanke, daß Gott Israel ,,heiligt“5 * *, wird durch die Formel der — jeder Pflichtübung vorangehenden — Segenssprüche zu selbstverständlichem Inhalt des Volksbewußtseins; sein Korrelat, daß Gott, durch Menschen geheiligt werden, seinen Namen nicht durch Un- Sittlichkeit ,,entweiht“ sehen will (Am 27!), schafft die in der jüdischen Ethik aller Richtungen — der halachistischen, philosophischen, kabbalistischen — gleich grundlegenden Begriffe des קדוש השם 1 Auch Stellen wie Ex 2937 כל דוכגע במזכח יקדש werden vielfach ähnlich aufgefaßt; vgl. aber Baud iss in a. a. O. 55,1 und D. H offmann, Das Buch Leviticus I 238, der auch die r abbinis che Auffassung darstellt. 2 Zum folgenden vgl. bezüglich aller Einzelheiten und Quellenangaben Heinemann, Jeschurun VIII (1921) 110 ff. 3 Sonst nur Jes 4025; Hab 33; Hi 610, in plur. maj. Spr 910; 303. Dagegen findet sich קדוש ישראל in nachbibl. Zeit wohl nur Sir. 5017; Test. Dan. 5. 4 Ueber die häufige Verwendung von קדיש in der apokryphischen Literatur vgl. Gouard, Die rel. und sittl. Ansch. der Apokr. (1907) 42 ff. Ueber den Gebrauch von!הקביד im mischnischen Schrifttum wird demnächst Herr Dr. A. S p a n i e r an dieser Stelle handeln. Die aramäische Umschreibung קידשא, also wörtlich Heiligkeit (selten hebr. הקד״ש: Dal man, Worte Jesu 165), ist aus Ehrfurcht zu erklären, ebenso wie nach Ottos richtiger Bemerkung (Das Heilige8 86) der Gebrauch der 3. Person im Trishagion und, wie wir hinzufügen, in den auf ihm beruhenden Gebeten, dem Kaddisch und den meisten Fassungen der Keduscha. 5 Daß keineswegs nur an Kultisches gedacht wird, zeigt Gouard a. a. 0. und die rabbinische Exegese zu Lev 192, wo Heiligung als Streben nach Gott-Ebenbildlichkeit verstanden wird; auch die moderne orthodoxe Exegese (D. II 0 f f m a n n, Das Buch Leviticus z. St.) betont stark den ethischen Charakter der Forderung. Für die Kabbala genüge der Hinweis auf Sohar III 61a מאי קדש? שלי־מותא דכלא דאקדי חכמא עלאה. 12*

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