Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Lehre vom Heiligen Geist im Judentum und in den Evangelien
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 2)
- Language
- German
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170 entwicklung, die in der Bibel beginnt, aber erst im Rabbinismus zum Abschluß kommt. 1• Heiligkeit. Die semitische Wurzel קדש, mag sie ursprünglich abgesondert oder etwa glänzendל rein bedeutet haben 1) hat keinesfalls im Ursemitischen mit Religion im höheren Sinn etwas zu tun. Auch so oft sie eine Beziehung zur Gottheit bezeichnet, geschieht das außerhalb des Hebräischen nur in ganz äußerlichem Sinne. Die Eigenart des biblischen Gottes- und Religionsbegriffes führt aber zur Neuschöpfung wesentlich vertiefter Bedeutungen2. In dem Satze ,;Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige euer Gott“ (Lev 192) hat die alte Wurzel offenbar ethischen Gehalt gewonnen; in dem Attribut der göttlichen Heiligkeit fließen majestätisch-numinose mit sittlichen Eigenschaften zum Gesamtbegriff ünendlicher Ueberlegenheit zusammen3; Menschen heißen heilig, soweit sie sich diesem Ideal innerlich genähert haben. Wenn daneben die Wurzel nach wie vor von Menschen, Dingen, Tätigkeiten gebraucht wird, die zu Gott nur äußere Beziehung haben bezw. herstellen, wie Priester, Tempel, heilige Tagen, Waschungen, so kontrastiert das nicht, da auch der Kultus, in prophetischem Sinne geübt, innerliche Heiligkeit voraussetzt wie fördert. Eigentümlich rudimentär aberwirkt das Hervortreten der Grundbedeutung, wenn religiös Verbotenes mit uralten Derivaten unserer Wurzel gekennzeichnet wird: es erscheint fast als contradictio in adiecto, wenn die Bibel die Hierodulen beiderlei Geschlechts, deren Ausrottung sie vorschreibt, als Qedesehen4 bezeichnet (Dt 231s), und als befremdlich, wenn die 1 Bunzel, Der Begriff der Heiligkeit im A. T., Breslauer Liz.-Diss. 1914, 24 f.} beruft sich für die letztere Annahme auf das Assyrische. 2 Der Weite des biblischen Sprachgebrauchs wird Raschi zu Deut 229 gerecht :כל דבר הנתעב על האדם ב־־ן לשבח כגר הקדש בין לגנאי כגון אסיר ניבל בו קדוש. 3 Natürlich muß bezüglich der Auffassung, van קדש in der Bibel, insbesondere für Stellennachweise, bei der durch unseren Gegenstand gebotenen Kürze auf die seitherigen Arbeiten verwiesen werden, unter denen m. E. Bau dis sin, Studien zur semitischen Religionsgeschichte II 1 ff., und Kittel, Prot. Realenz. YII 566 ff. hervorragen. Weitere Literatur bei Bunzel a. a. O. und in desselben Doktorarbeit Qds und seine Derivate 1917. Im Gegensatz zu Ott 0, dessen schönes Buch über Das Heilige Bunzel noch nicht heranzieht, möchte ich meinen, daß im hebr. קדש nicht das gesamte ,,Numinose“, sondern nur der dem ״Tremendum“ nahestehende Begriff des Majestätischen mit dem Rational-ethischen in Verbindung tritt. Doch gibt es natürlich Nüancen bei den verschiedenen Vertretern biblischer Frömmigkeit. 4 Ursprünglich wohl zum Tempel gehörig, wenn auch der Sprach• ‘gebrauch sich verallgemeinert hat.