Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Lehre vom Heiligen Geist im Judentum und in den Evangelien
- Date
- 1922-01-01
- Page
- 169 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Lehre vom Heiligen Geist im Judentum und in den Evangelien. Von I. Heinemann in Breslau. Auf H. Leisegangs■ ,Forschungen zur Geschichte der Lehre vom heiligen Geist haben wir bereits in einer früheren Arbeit hingewiesen1. Mehr noch als der erste, auf Philon bezügliche Band muß uns der neuerschienene zweite2 interessieren. Er versucht den Nachweis, daß bereits der Geistbegriff der drei älteren Evangelien, der sog. Synoptiker, nicht mehr als Fortentwicklung jüdischer Anschauungen zu erklären, sondern aufs stärkste durch griechischen Volksglauben beeinflußt ist. Wenn das richtig ist, so fällt natürlich neues Licht auf das Motiv, aus dem das Judentum den neuen Glauben schon in seinen ersten Anfängen abgelehnt hat. Eine genaue Nachprüfung der Frage zeigt nun nicht nur, daß Leisegang im wesentlichen, wenn auch nicht in jeder Einzelheit, Recht hat,, sondern sie gelangt über seine Forschungen hinaus zu interessanten Ergebnissen betreffs des Begriffes vom Heiligen Geist in der Bibel und den drei unmittelbar an sie anknüpfenden Religionsauffassungen. Es zeigt sich, daß ein Begriff, dessen Bildung in der Bibel sich anbahnt, im Rabbinismus folgerichtig entwickelt wird, im Hellenismus eines Philon ungenutzt bleibt, bei den: Synoptikern mit nichtjüdischen Volksvorstellungen dur c'h - setzt und zur Brücke wird, über; welche heidnische Anschauungen ihren Einzug halten. I. Die Lehre vom Heiligen Geist im biblischen und rabbinischen Judentum. Die Wurzel קדש und der Ausdruck י׳'י tV\% die zu der Verbindung לוח הקדש zusammentreten, sind zu Gefäßen hoher religiöser Begriffe geworden im Laufe einer parallel verlaufenden Sprach- 1 MGWJ 64, 8 ff., 101 ff. 2 Pneuma Hagion. Der Ursprung des Geistbegriffs der synoptischen• Evangelien aus der griechischen Mystik. Leipzig, Hinrichs, 1922. Wir zitieren diesen Band mit L. oder L. II, den früher erschienenen (Der Heilige Geist, Leipzig, Teubner, 1919) mit L. I. Der Verlagswechsel, dessen Ursachen sich unschwer erraten lassen, hat leider dazu geführt, daß ein Inhaltsverzeichnis für den I. Band fehlt. Hoffentlich wird Teubner sich nicht auch den 3. Teil' entgehen lassen; daun ließe sich das Verzeichnis doch wohl nachtragen. Monatsschrift, 66. Jahrgang. 12