Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Kindersegen und Kinderlosigkeit im altrabbinischen Schrifttume
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 9)
- Language
- German
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146 Vי־;•־ . . ' ־;■ "׳- ■; Penina zwei. Als Hanna in der Erwartung des 5. Kindes war und Penina von ihren zehn Kindern bereits acht verloren hatte, wurde letztere von der Furcht erfüllt, sie könnte auch die ihr noch gebliebenen zwei Söhne verlieren und sprach reumütig zu Hanna: Verzeihe mir und bete, daß mir meine letzten zwei Söhne am Leben bleiben. Hannas Gebet wurde erhört, und darum wurden auch die zwei Söhne Peninas als Hannas Kinder angesehen, denn es heißt (I Sam 25): die Unfruchtbare (Hanna) gebar sieben1. So allgemein das Sterben der Kinder als göttliche Heimsuchung angesehen wurde, so durfte es niemandem in kränkender Weise vorgehalten und niemandes Frömmigkeit deshalb in Zweifel gezogen werden2. Von weiteren biblischen Personen wird mit Bezug auf das Sterben der Kinder nur noch Aron erwähnt. Ihn sollte wegen der großen Sünde der Anfertigung des goldenen Kalbes die Strafe der völligen Vernichtung seiner Nachkommenschaft treffen, das Gebet Moses bewirkte jedoch, daß sich das Verhängnis nur zur Hälfte erfüllte3. Daß die Frau den Verlust von Kindern im allgemeinen schwerer verschmerzt als der Mann, ist in der Natur der Sache begründet, daher der Vergleich dessen, der Thora lernt und das Gelernte vergißt, mit einer Frau, welcher die Kinder sterben4. Als dem R. Chanina eine Tochter starb und er über deren Verlust nicht weinte, fragte ihn seine Frau erstaunt, ob ihm der Verlust nicht nahegehe. Er erwiderte: Beides? Kinderlosigkeit und Blindheit? (Die Tränen würden für mich auch noch Blindheit zurFolge haben)5. Ein mehrmals sich wiederholender Schmerz über den Tod von Kindern machte jedoch zuweilen auch das empfindliche Mutterherz stumpf, sodaß das Sprichwort entstehen konnte: Eine Frau, die schon mehrere Male Kinder verloren hat, schämt sich dessen nicht mehr6. 1 Pesikta r. 43 182b. 2 Baba Mezia 58b. Demgegenüber fällt es auf, daß der babylonische Lehrer Abaji seinen Freund R. Abin zweimal (Ghollin 110a, Pesach. 70b) mit אבין תבלא apostrophiert, was nach Rasi soviel als Kinderloser zu verstehen ist. Levy (Ghald. Wörterbuch 537b) meint, daß möglicherweise סכילא zu lesen wäre; analog אבין שטיא (Sabbath 121b). Joel Müller (Briefe und Responsen in der vorgaonäischen jüd. Literatur vierter Jahresbericht der Lehranstalt, Berlin 1886, Note 45) meint; daß תכלא nicht Kinderloser, sondern Verlaßlicher, Vertrauenswürdiger, bedeute. Siehe Bacher, Ag. pal. Amor. 3, 402, Anm. 4. 3 Levit. r. 7 Anf. 10, 5, Pesikta r. c. 47 — 189. 4 Sanhedrin 99a unten. 5 Sabbath 151b. VKethuboth 52a.