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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 2 · p. Seite 141

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 2
Article
Kindersegen und Kinderlosigkeit im altrabbinischen Schrifttume
Date
1922-01-01
Page
Seite 141 (sequence 4)
Language
German
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Rachel: Wenn du nicht das Beispiel deines Vaters nachahmen . willst, so folge dem Beispiele deines Großvaters. Jakob: Vermöchtest du aber auch die Selbstverleugnung zu üben, die meine Großmutter Sara geübt hat? Rachel: Was hat sie denn getan? Jakob: Sara hat ihre Magd dem Abraham zugeführt. Rachel: Wenn es sich darum handelt, so will ich ihrem Beispiele folgen. Hier meine Magd Bilha, damit ich durch sie erbaut werde. Gottesstimme (zu Jakob): Spricht man mit so wenig Zartgefühl zu Frauen bedrückten Gemütes? Bei deinem Leben, — vor dem Sohne dieser Frau (Josef) werden einst deine Söhne in Bedrängnis stehen, und er wird ihnen die Antwort zurückgeben, die du seiner Mutter gegeben hast: ״bin ich denn an Stelle Gottes“ (Gen 5019)x. . ״ ■ Offenbar lag hier den Rabbinen die aus der Beobachtung des Lebens gewonnene Notwendigkeit zugrunde, den Männern kinderloser Frauen ans Herz zu legen, auf das beschwerte und empfindliehe Gemüt ihrer Frauen mehr Rücksicht zu nehmen. Auch die Stammutter Lea wird, wie bereits erwähnt1 2, zu den ursprünglich von der Vorsehung zur Kinderlosigkeit bestimmten Frauen gezählt. Die Worte: Die Unfruchtbare gebiert sieben (ISam 25) sind nach einer Deutung eine Anspielung auf den Kindersegen Leas 3. Die sympathische Gestalt der betenden Hanna wirkt nach der Zeichnung der Rabbinen als die Verkörperung des reinsten Schmerzes der kinderlosen Frau. Keine Klage; kein bitteres Wort hören wir aus ihrem Munde. Sie verliert keinen Augenblick ihr seelisches Gleichgewicht, und sie selbst ist es, die, als sie wahrnimmt, daß ihr der Kindersegen versagt bleibe, ihrem Manne den selbstlosen Rat erteilt, Penina als zweite Frau ins Haus zu nehmen4. Das ganze Martyrium der kinderlosen Frau zu jener Zeit wird uns nun in anschauliehen Bildern vor Augen geführt. Jeden Morgen tritt die Nebenfrau vor Hanna hin und fragt sie höhnend: willst du deinen Kindern nicht das Gesicht waschen? Am Mittag frägt sie: begrüßest du deine Kinder nicht, die eben aus der Schule gekommen sind? Sitzen sie beim Mahle, sagt Penina zu ihrem Manne, der die Speisen verteilt: Gib diesem meinem Sohne seinen Teil, diesem meinem Sohne hast du seinen Teil noch nicht gegeben5. Ein anderer Lehrer legt der 1 Gen. r. 71, 7. Yergl. die Darstellung in Agadath Bereschith, G. 52, Tanchuma B. zu Wajeze 19, s. Rasi und Ramban. 2 S. 139 Anm. 10. 3 Gen. r. 72 Anf., Midrasch Sam. c. 5. 4 Pesikta r. c. 43 181b. 5 Pesikta r. c. 43 182b.

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