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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 2 · p. Seite 140

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 2
Article
Kindersegen und Kinderlosigkeit im altrabbinischen Schrifttume
Date
1922-01-01
Page
Seite 140 (sequence 3)
Language
German
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Interesse als die hierauf erteilten Antworten1 sind die Ausbrüche des Schmerzes, welche die Lehrer den betreffenden Frauen in den Mund legen. Sie gewähren uns unwillkürlich einen Einblick in die Düsterkeit des kinderlosen Familienhauses jener Zeit und lassen uns den namenlosen Schmerz empfinden, der insbesondere das Herz der kinderlosen Frau erfüllte. Sara stellt gewissermaßen den Typus der kinderlosen Frau dar2. Davon überzeugt, daß die Ursache der Kinderlosigkeit in ihr selbst liege3, überhäuft sie den Abraham mit Vorwürfen darüber, daß er nur für sich und nicht auch für sie gebetet habe und daß er bei den Schmähungen, die sie erleide, ruhig bleibe4. Ja, es fehlt sogar nicht an ehelichen Szenen, wobei sie in ihrem wilden Schmerze ihrem Gatten mit den Fingern ins Gesicht fährt5. — Bei Rebekka finden die Lehrer in der Bibel keinen Anknüpfungspunkt für Detailmalerei. Dafür aber umsomehr bei Rachel. Diese beneidet ihre Schwester (Gen 30!), zuerst still, fromm ereben und, obgleich der Neid an ihrem Innern nagt, sucht sie ihn durch den demutsvollen Gedanken zn unterdrücken, daß die ältere Schwester mehr gute Werke aufzuweisen habe, um derentwillen sie von Gott des Kindersegens gewürdigt werde6. Allmählich aber wird es in ihrem Innern lauter, und endlich entlädt sich das sturmbewegte Gemüt in dem verzweiflungsvollen Ruf: schaffe mir Kinder, wo nicht, so sterbe ich, d. h. ich bin einer Toten gleichgeachtet, denn das Leben einer Kinderlosen ist kein Leben7. Zu erhabener Schönheit gestalten die Lehrer ein eheliches Zwiegespräch zwischen Jakob und Rachel, in welches zuletzt Gott eingreift und Jakob sein Vorgehen gegen die erbitterte Dulderin verweist. Rachel: Schaffe mir Kinder, denn es hängt nur von dir ab, daß ich Kinder bekomme. Jakob: Bin ich denn an Stelle Gottes, der dir Leibesfrucht versagt hat? Dir nur hat sie Gott versagt, mir nicht. Rachel: Hat sich dein Vater deiner Mutter gegenüber auch so. teilnahmslos verhalten? Hat er nicht vielmehr für sie gebetet? Jakob: Zwischen meinem Vater und mir ist ein großer Unterschied, mein Vater hatte vorher keine Kinder, auch hatte er nur eine Frau, ich hingegen habe schon Kinder und besitze mehrere Frauen; bekommt die eine keine Kinder, so bekommt dafür die andere. 1 Gen. r. 45, 4, Schir r. II, 14, Tanchuma Wajeze 36b und Toldoth 33b. 2 Midrasch Samuel c. 2, 11. 3 Midrasch hagadol, Schechter 241. 4 Gen. r. 45, 5. 5 Daselbst. 6 Gen r. 71, 6, Agadath Bereschith c. 51. 7 Nedarim 64b, Ab. Zarah 5a, Tanchuma 144a, Tanchuma B, Wajeze 19, Gen. r. 71, 6, 45, 2, Exod. r. 5, 4, Echo. r. .zu III, 6.

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