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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 2 · p. Seite 139

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 2
Article
Kindersegen und Kinderlosigkeit im altrabbinischen Schrifttume
Date
1922-01-01
Page
Seite 139 (sequence 2)
Language
German
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139 Leben als aus der Gemeinschaft Israels ausgelöscht, sodaß im Falle seines Todes die Leviratsehe zu unterbleiben hatte1. Er konnte, wie jeder Kinderlose überhaupt, kein Mitglied des Dreiundzwanzig- oder Einundsiebzig-Richter-Kollegiums werden, weil ihm die milde Gesinnung, welche den Richter beim peinlichen Gerichtsverfahren auszeichnen sollte, und die Fähigkeit, manche psychologischen Vorgänge zu würdigen, nicht zuerkannt wurden2. Der traurige Zustand eines Kinderlosen wird mit dem eines Aussätzigen, Blinden und Armen verglichen; sie alle werden den Verstorbenen gleich geachtet3. Daß I Chron 215 von Isai nur sieben Söhne aufgezählt werden, während er nach I Sam 1712 acht Söhne hatte, erklärt Raschi an letztgenannter Stelle damit, daß ein Sohn kinderlos starb. An der Bahre eines kinderlos Verstorbenen pflegten die Frauen von Schechanzib (Babylon) ein besonderes Trauerlied anzustimmen: ״Wehe dem Dahingeschiedenen, der * keine Nachkommenschaft hinterlassen hat"4. Wie der Ehelose, so ist auch derjenige, der verehelicht ist, aber keine Kinder hat, als mit dem himmlischen Banne belegt zu betrachten5. Es kann uns nicht wundern, daß das gewöhnliche Volk keinen Anstand nahm, den Kinderlosen mit wenig schmeichelhaften Namen zu belegen. Er wurde als unfruchtbarer Maulesel6, ״Resch Ketua“, d. h. Enthaupteter7, auch 8קלוט bezeichnet. Ein Zauberspruch gegen eine Hautkrankheit lautete: Dein Aussehen bleibe, deine Stelle bleibe, dein Same sei wie der eines Unfruchtbaren (Kalut) und eines Maulesels, der sich nicht vermehrt, so sollst auch du dich nicht fortpflanzen auf den Körper des N., Sohnes des N.9. Da die Kinderlosigkeit als Strafe Gottes angesehen wurde, forschte man natürlich bei hervorragenden biblischen Persönlichkeiten nach dem Grunde dieser Strafe. Der Midrasch zählt sieben Unfruchtbare: Sara, Rebekka, Rachel, Lea, Hanna, Hazlelponith (oder צללפונית, angeblich der Mutter Simsons) und Zion10. Die Erörterung der Unfruchtbarkeit der Stammmütter nimmt in der Hagada einen verhältnismäßig breiten Raum ein11. Von größerem 1 Sifre, Deuter, zu 15, 6, Jebamoth 24a. 2 Sanhedrin 36b, Tosephta Sanh. VII, 5 4266. 3 Nedarim 64b, Ab. Zarah 5a, Tanchuma Zaw. 4 Moed Katan 28a (nach Aruch s. v. ודי). 5 Pesachim 113b, s. Tosafoth z. St. s. v..ואץ. 6 Gen. r. 41, 5, 53, 10, B. bathra 91a, s. Wiesner, Scholien II, 141. 7 Sotah 35a, s. Ra&i, vergl. Megilla 14b. 8 Sabbath 67a, s. Ra§i. 9 Sabbath 67a. 10 Agadath Bereschith, c. 53. 11 Gen r. 45, 4, Scliir-r. zu II, 14. 10*

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