Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Mose am Dornbusch
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 18)
- Language
- German
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133 Dieser Begriff von Gottes Werden und Sein Da-Sein und Schaffen ist aber von Anfang an von der Vorstellung des Hilf - reichen begleitet. Er tritt auf und schafft aus sittlichen Impulsen, als Liebe, Gnade, Erbarmen und Gerechtigkeit, die sich in seinem Schöpferwalten ebenso ausprägen wie seine Allmacht. היה צם היה. Denn beide Begriffe werden gleichzeitig aus derselben Grundbe- Stimmung des bedürftigen Menschenherzens erfaßt. Nur der Allmächtige kann der Helfer sein. Damit ist festgestellt, wie unser Erzähler den Namen deutet. Es ist aber auch eine sprachlich und religionsgeschichtlich einwandfreie Erklärung. Die Wurzel ist rein hebräisch (aramäisch ,הוד) und innerhalb des Hebräischen eines der verbreitetsten Wörter mit V sicherer Bedeutung. Gewiß ist es möglich, daß auch diese Bedeutung nur sekundär und das Primäre eine sinnlichere Vorstellung sei z. B. des Fallens, Stürzens, Kommens, aber jedenfalls ist davon nicht die geringste Spur mehr vorhanden und man hat kein Recht, sie gerade dieser Form anzuhängen. Nur deutet das ף in ,יהוך auf eine Sprachstufe, die der mit dem Aramäischen gemeinsamen Wurzel noch näher steht. Das Wort kann nur das zeitlose Imperfektum des Kal sein. Zur Bestimmung des Vokalismus darf man nicht solche Eigennamen heranziehen, welche nur an dritter Stelle ein He haben z. B. יבנה — sondern wie היה auch an erster. Das ist nur noch bei הגה und המה הרה)) der Fall, deren Imperfekta Kal יהמה! יהגה lauten. Zahlreicher sind die פ׳ח und ל׳יה wie חשה, חרה, חצה, חסה, חלה, חכה, חיה, חוה׳ חוה• Demnach ist die heute herrschende Aussprache nicht richtig. Genau besehen ist ihre einzige Stütze das schwache Zeugnis eines Theodoret״ der von Samaritanern seiner Zeit etwas gehört haben will. Auch etwaige Einwände, daß die ermittelte Bedeutung für eine primitive Religionsstufe zu abstrakt und spekulativ sei, sind durchaus hinfällig. Selbst wenn es wahr wäre, daß auch die Israelitische Religion nicht anders als mit dem Fetisch oder einem Totem oder einem Gewitter angefangen haben könne, haben wir es im A. T. nirgends mit einer primitiven Religionsstufe zu tun. Vielmehr ist insbesondere der Thora das religiös Tiefste zuzutrauen, was gedacht werden kann. Denn nie hat ein Volk sich mit Herz und Sinn Gott und dem Göttlichen mit gesammelterer Energie hingegeben als Israel und seine Besten, wenn sie es auch nicht in der Sprache einer schulmäßigen Spekulation Wiedergaben. Unsere Erklärung ist aber nichts weniger als abstrakt. Es ist ein lebensvoller Gottesglaube, der in diesem Namen seinen Niederschlag gefunden hat, erwachsen aus dem unmittelbaren Gefühl von dem Dasein und Wirken einer