Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Mose am Dornbusch
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829909-2829912-2831344--44833-2831417- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
132 ■ .. und Bedeutung hat; auch ohne עמך allen erwünschten Beistand auszudrücken. Und zwar tut dies das Verbum ITH in zwei Hinsichten, in einer spezifischen Bedeutung des Werdens und des Seins. היה heißt Werden, aber nicht in dem Sinne des Fortschreitens zum Sein, einer Entwicklung, sondern es bedeutet ein unvermitteltes Erscheinen, Auftreten, Aufkommen, Entstehen und Da-Sein. Aber alle diese Umschreibungen geben den Sinn von היה doch nicht ganz, da ihnen gemäß der deutschen Auffassung des Werdens der Begriff der Entwicklung, des Wachstums, des Natürliehen (nasci) anhaftet. Sie schleppen noch den Faden nach, der sie mit dem Schoß des Vorhergehenden, der sie gebar, verband. Dem Hebräischen היה aber ist das mit einem Vorher durch nichts verknüpfte Da-Sein wesentlich. Daher ist es das wahre Wort für den ersten Akt der Schöpfung: Gott sprach: Licht sei! und Licht war da! Deshalb ist es ferner das spezielle Wort für das unvermittelte Eintreten von Wundern, ganz besonders in der Erzählung der ägyptischen. Wir haben schon gesehen, wie es in der Vorbereitung ,dazu verheißungsvoll vorauswies (312, 4Ö.!2• 15)• Bei den Wundern selbst ist es so geflissentlich gebraucht (719. 21, 812.!4. i9, 99 . 22, 1021), daß z. B. nur hierbei in der ganzen Bibel, obgleich doch das Wort Tausende von Malen vorkommt, 93 das Participium ה1יה gebildet wird (daher v. 5 יעשה את הדבר ה1ה). In dieser Bedeutung liegt auch der letzte Grund dafür, dem Eintritt eines Ereignisses ein והיה oder ויהי ^orzusetzen. Dem Hebräer ist jedes Geschehen ein Wunder, ein unvermittelter Sprung aus dem Nicht-Sein ins Sein. היה heißt ferner Sein, aber nicht bloß als Existieren, Realität haben, noch, von Gott ausgesagt, in dem eleatischen Sinne starrer Unbewegtheit als Gegensatz zum Bewegten, noch in einem platonischen als. Gegensatz des Scheins, sondern es ist ein anderer Gegensatz, den es im israelitischen Bewußtsein hat. Wir sahen oben, daß Gottes ״Größe" darin besteht, daß er t u t (עשה) — Großes, Wunderbares mit Ehrfurcht erfüllendes. Alles, was geschieht und da ist, ist von ihm getan und gewirkt. Es ist ein Geschaffenes. Nur Eines gibt es, was nicht geschaffen ist: Er selber. Er kann in keinem Sinne als Objekt zu עשה gedacht werden. In diesem Gegensätze zu עשה ist er der ״Seiende", nicht bloß als der Ungewordene und Ewige, nicht als indifferenter Gegensatz zum Gewordenen und Zeitlichen, sondern in der lebendigen Beziehung dazu, daß wenn alles andere Werk und Geschöpf, er der S c h ö p f e r ist und sein kann, weil nur er ein Seiender, d. h. Nicht-Geschaffener ist. Das Geschaffene kann , nur im Seienden, im allein Seienden, Ursprung und Grund haben.