Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Religionsphilosophie der Gegenwart
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 14)
- Language
- German
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der Schwachen, um sich oben zu erhalten, ,,Menschlichkeit^, ״Institutionen“ geworden. Der produktive Nihilismus stellt die Natur wieder her und gibt ihr den Sinn — des Seins. ״Schild der Notwendigkeit! Höchstes Gestirn des Seins! — das kein Wunsch erreicht, das kein Nein befleckt, ewiges Ja des Seins, ewig bin ich dein Ja: denn ich liebe dich, o Ewigkeit! —1 IV. Nie wurde härter und rücksichtsloser von der Wirklichkeit jeder Schleier entfernt, der ihre Furchtbarkeit verhüllt, als Von diesem Denker, der es wagt, auf dem Grunde einer solchen Naturerkenntnis eine Ethik zu errichten, die es dem Menschen zur Pflicht macht, secundum naturam zu leben, ja in heroischer Unerschrockenheit des Willens diese Natur zu lieben. Das־ ist kühnerer Spinozismus, denn die natura naturans Nietzsches ist nicht Gott, sondern — Wille zur Macht — und gleichwohl Amor naturae! Ein Stoizismus der Gesinnung, der aber zugleich die Vernunft der Wirklichkeit negiert, eine mystische Liebe des Seins mit schroffer Verachtung der religiösen Illusionen. Und dies kraft der Wahrheit einer Ressentiment-freien Erkenntnis! Wenn dem so wäre, wäre alles, was die Menschheit Kultur genannt hat, gründlich vernichtet; ihre Wissenschaft, Sittlichkeit, Religion ein Sklavenaufstand feiger Instinkte, der seinen Ausgang genommen in dem jüdischen Sklavenvolk. Wir erkennen, hier handelt es sich um Sein oder Nichtsein des Judentums und aller auf ihm ruhenden Menschheitskultur. Die weltgeschichtliche Bedeutung des Judentums ist nie tiefer erfaßt worden als von diesem seinem größten Gegner. Gott oder Wille zur Macht: in diesem Gegensatz ist die Zukunft der Menschheit beschlossen, v Was ist die Grundlage der Lehre des Willens zur Macht? Die These, daß es keine Erkenntnis, kein Gefühl, keinen Willen gibt, der nicht Auswirkung des Willens zur Macht wäre. Die englische Ethik behauptete, daß es keinen unegoistischen Willen gebe, sondern alles Denken, Fühlen, Wollen in der Selbstbehauptung, im Willen zum Dasein seine ,,ratio“ essendi habe. Das, was wir Wissenschaft, Sittlichkeit, Religion nennen, sind Vorstellungen und Verhaltungs- 1 Ruhm und Ewigkeit W. W. Bd. XV S. 500.