Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 2 · p. Seite 106

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 2
Article
Zur Religionsphilosophie der Gegenwart
Date
1922-01-01
Page
Seite 106 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829909-2829912-2831343--44806-2831391
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

י■■?-■'ג־־-ץ־ץ-'^; 106 mit Pfeilern und Stufen, das Leben selber: In weite Fernen will es blicken und hinaus nach seligen Schönheiten —• darum braucht es Höhe! Und weil es Höhe braucht, braucht es Stufen und Widerspruch der Stufen und Steigenden! Steigen will das Leben und steigend sich überwinden1/' ,,Ihr habt den Weg vom Wurm zum Menschen gemacht, und Vieles ist in euch noch Wurm. Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Uebermensch, ein Seil über einen Abgrund2/' ״Der Uebermensch ist der Sinn der Erde. Euer Wille, sage; Der Uebermensch sei der Sinn der Erde3/' ״Was groß ist am Menschen, das ist, daß er eine Brücke und kein Zweck ist: Was geliebt werden kann am Menschen, das ist, daß er ein Uebergang und kein Untergang ist. Ich liebe die, welche nicht zu leben wissen, es sei denn als Untergehende, denn es sind die Hinübergehenden4." ״Einen neuen Willen lehre ich die Menschen: Diesen Weg wollen, den blindlings der Mensch gegangen, und gut ihn heißen und nicht mehr von ihm beiseite schleichen, gleich den Kranken und Absterbenden5/' Auf dem Boden der En.twicklungslehre gewinnt Nietzsche das neue Ideal, den neuen Glauben, die Lehre vom Uebermenschen. Kein Ideal aus mystischer Intuition von Hinterwelten, sondern in der Erkenntnis des Lebens begründet. Nicht Selbst- ■ erhaltung, Wille zum Dasein, Wille zum Leben ist das innerste Wesen des Lebens, sondern sein ständiges Höhersteigen, sich selbst Ueber winden. So ist der verächtlichste Mensch, der der Lust des bloßen Daseins dient, dem Schmutz des Behagens lebt. An Glut und Kraft und Stolz des Opferwillens bekundet der Mensch seine höhere Bestimmung. Die Kraft aber, die ihn emporträgt über sich selbst, die seinen Wert bestimmt, ist sein Wille z u r Macht. Nur im Kampf alles Lebenden steigt das Leben seinen höheren Zielen entgegen; nicht der Frieden, sondern der Krieg ist der Genius des Lebens. ״Die Welt von innen gesehen, die Welt auf ihren intelligiblen Charakter hin bestimmt und bezeichnet — wäre eben ,Wille zur Macht' und nichts außerdem6/' Dieser Wille zur Macht lebt in den kraftvollen Naturen, die nicht leben können, ohne zu herrschen. Ihr stolzer ungebrochener Wille kennt keinen Herrn, kein Gesetz, keinen Willen außerhalb des Ichs. Wohl lebt Ehrfurcht im Herrschenden, aber nur vor Seinesgleichen. Das ״Pathos der Distanz" aber trennt ihn von der Masse der Unterworfenen, der Unfreien, der Sklaven. Ihr gegenüber hat er keine 1 Zarath. S. 147. 2 Zarath. S. 16. . 3 Zarath. S. 13. 4 Zarath. S. 16. 5 Zarath. S. 43. 6 Jens. v. Gut und Böse S. 58. m

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.