Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ein hundertjähriger Gedenktag unserer Wissenschaft
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 7)
- Language
- German
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95 Auch Bücherbesprechungen enthielt die Zeitschrift. Der Bibelsche Orient — eine Fußnote sagt ,,angeblich von Isaac Bernays“ — wurde eingehend besprochen und entschieden abgelehnt, ebenso wurde die Schrift von Lips, ,,Das Staatsbürgerrecht der Juden“ ausführlich und kritisch angezeigt. Beide Besprechungen sind übrigens nur mit dem Endbuchstaben der Rezensenten Moser und Rubo gezeichnet, während in den Protokollen des Vereins ein aüsdrücklicher Beschluß enthalten ist, daß alle Verfasser mit ihrem vollen Namen auftreten sollten. Mitten in die Gegenwart führte der Abdruck eines Erlasses Alexanders I. für die Juden in Polen, der von einer sehr heftigen anonymen Kritik über die dortigen jüdischen Verhältnisse begleitet wird (S. 533 —539). Alles in Allem war diese erste jüdisch-wissenschaftliche Zeitschrift unbedingt wertvoll. Es fehlte ihr auch nicht an vielfacher rühmender Anerkennung. Zunz selbst verzeichnet in Briefen an seinen Lehrer Ehrenberg (18. April und 7. November 1823) günstige Urteile mehrerer Gelehrter, z. B. Silvestre de Sacys, des Freiherrn v.Gagern, Krugs, Wolfsohns, Elsners, der Leipziger Literatur-Zeitung, von Becks Repertorium, A. Th. Hartman im biblisch-ästhetischen Wegweiser, der vornehmlich des' Raschi mit Lobeserhebungen gedacht1, ferner den in Paris erscheinenden Journal Asiatique und Revue Encyclopedique. Im Vorwort zum vollendeten ersten Bande rief er alle verfügbaren Kräfte, ,,jedes der wissenschaftlichen Vollendung gewidmete Streben“ zur Mitarbeit auf. Tatsächlich war ein zweiter Band vorbereitet, in den Vorträgen der Mitglieder bot das Archiv des Kulturvereins reiches Material für einen solchen. In den Beratungen des ,Vereins wurde auch bereits das Honorar für die Beiträge zum zweiten Bande festgesetzt. Er ist nie erschienen, der allmählich absterbende Verein vermochte sich zu keiner Tat mehr aufzuraffen. ״Wie es mit der Zeitschrift für die Wissenschaft des Judentums sein werde“ schreibt Zunz an Ehrenberg (4. Mai 1824), ,,weiß kein Mensch, am allerwenigsten ich. Kein Geld, keine Arbeiter, keine Arbeiten, keine Korrespondenz.“ So ist es tatsächlich bei;diesem einen Bande der Zeitschrift geblieben. Mit ihr aber ist die Sache der sie diente, nicht untergegangen. Wohl schrieb Immanuel Wolf am 21. Dezember 1825 an Zunz2: ״Lieber möchte ich einen Nekrolog der zu früh verschiedenen Wissenschaft des Judentums schreiben. Doch selig sind die Embryonen, die dem Herrn verscheiden;; sie allein werden bestehn am Tage des Gerichts und unschuldig 1 Abgelehnt wurde sie nur in Müllners Literaturblatt. 2 Zeitschr. f. Gesch. d. Juden in Deutschland, V, S. 265.