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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 2 · p. Seite 94

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 2
Article
Ein hundertjähriger Gedenktag unserer Wissenschaft
Date
1922-01-01
Page
Seite 94 (sequence 6)
Language
German
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lichkeit zu stellen bestrebt war. In der Mitte zwischen Geschichts- und Literaturforschung steht die Abhandlung ״Ueber die in den hebräisch-jüdischen Schriften vorkommenden hispanischen Ortsnamen“ (S. 114—176), in der mehr als 200 im jüdischen Schrifttum vorkomihende geographische Namen aus Spanien, Portugal und der Provence identifiziert werden. Für die jüdische Welt entdeckt diese Untersuchung Neuland und, da sie eingehend über die verfügbaren Quellen und Hilfsmittel sich aussprach, wurde sie auch methodisch außerordentlich fruchtbar. Geradezu wie eine Offenbarung aber wirkte der ausführlichste Aufsatz der Zeitschrift ,,Salomon ben Isaac, genannt Raschi" (S. 277—384), der auch heute noch nicht veraltet ist. Hier war zum ersten Mal eine wissenschaftliche Biographie eines jüdischen Gelehrten gegeben, an Stelle der früher allein beachteten Legenden und Wundererzählungen die Entwicklung eines wirklichen Menschen, seiner Umwelt, seiner Studien und seiner gelehrten Betätigung verfolgt. Der Leser wird in die Geisteswerkstatt seines Helden geführt, sieht ihn sich in seine Bibliothek vertiefen und jene bewundernswerten Werke schaffen, die auf die kulturelle Entwicklung der Juden einen so nachhaltigen Einfluß ausgeübt haben. Zum ersten Mal wird hier auch eine Bibliographie der Schriften Raschis versucht, und es ist zu bewundern, daß Zunz bereits vor 100 Jahren' nicht weniger als 175 gedruckte Ausgaben von Raschis Pentateuch- Kommentar und 50 Bearbeiter desselben zu nennen in der Lage ist. Auch abgesehen von dem eigentlichen Thema erfährt die Literaturgeschichte reiche Förderung, so wird gelegentlich die erste literarhistorische Kritik des Josippon unternommen. Der Eindruck dieser Abhandlung war gewaltig, die gesamte geistig strebende jüdische Jugend ward davon hingerissen, und noch nach einem Menschenalter begeisterte die Erinnerung daran Abraham Geiger zu folgendem Dithyrambus1: ,,Diese sichere Bewältigung eines reich aufgehäuften Stoffes, dieses lichtvolle Eindringen in dunkle unwegsame Gebiete, der belehrende auf hellende Gang durch die Hallen der jüdisch-־ mittelalterlichen Literatur — das war eine Erquickung und Anregung ' wie sie allerdings den Durst nach mehr noch mehr fühlbar machte, als stillte/' Von tiefster Wirkung war diese Abhandlung auf Rapoport, der Zunz freilich in seinen Arbeiten dann durch ״unerschöpfliche Belehrung" reichen Dank abstattete2. 1 Nachgelassene Schriften I, S. 303 f. . 2 Zunz, Gottes di enstl. Vorträge, Vorrede, g. E.; 1840 von S. Bloch ins Hebräische übersetzt, erlangte die Abhandlung in den Kreisen der Maskilim weite Verbreitung.

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