Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ein hundertjähriger Gedenktag unserer Wissenschaft
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 4)
- Language
- German
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schriebenes und mündliches Gesetz“ (S. 472—500) bildet das erste Kapitel seiner ,,Untersuchung über den Pentateuch“ und versucht kurz den Nachweis, daß der ganze Pentateuch, wie er uns heute vorliegt, zu Moses Zeiten noch nicht existiert haben kann. Alle anderen Aufsätze aber rühren von Vereinsmitgliedern her, sie entsprechen, wie bemerkt, ihren Vorträgen im ,,wissen־ schaftlichen Institut“. Man soll nicht vergessen, daß hier junge Leute das Wort ergreifen, die, selbst ungeübt in wissenschaftlicher Arbeit, auf einem völlig unbeackerten Boden sich bewegen oder vielmehr unsicher tasten; als der Band vollendet war, begleitete ihn der Herausgeber mit der verständigen Bemerkung, daß Einsichtsvolle das Gegebene ״als die Näherungen und die Versuche“ zur Entwicklung der neuen Wissenschaft betrachten werden. Der Zeitschrift Nachteilwar, daß die Mitarbeiter zumeist durch die damals herrschende Philosophie hindurchgegangen waren und daher ״unverdauliches Hegelianisches Kauderwelsch“ — wie Graetz1 es respektlos nennt — schrieben. Auf die Darstellungsweise bezieht sich auch Heinrich Heines2 Klage ״der größte Teil ist ungenießbar wegen der verwahrlosten Form“ und die Mahnung an den Herausgeber: ״Dringen Sie doch bei den Mitarbeitern auf Kultur des Stiles. Ohne diese kann die andere Kultur nicht gefördert werden.“ Besonders treffen diese Beschwerden auf den Aufsatz von Ludwig Markus ״Ueber die Naturseite des jüdischen Staats“ (S. 401—418) zu, der eine Reihe archäologischer Fragen behandeln sollte, dessen Begriffsbestimmungen aber tatsächlich niemand verstehen kann. Zu den ״ungenießbaren“ Aufsätzen gehört auch der einleitende von Immanuel W o 1 f ״Ueber den Begriff einer Wissenschaft des Judentums“ (S. 1—24). Ein Ueberblick über die Entwicklung der das Judentum beherrschenden religiösen Idee gipfelt in dem Nachweis, daß das Judentum sich als bedeutendes und einflußreiches Moment der Entwicklung des menschlichen Geistes erwiesen und darum Anspruch auf wissenschaftliche Bearbeitung hat. Eine solche hat das Judentum in seinem ganzen Umfang, seinem Begriff gemäß, systematisch und aus dem reinen Interesse der Erkenntnis nach der philologischen, historischen und philosophischen Seite darzustellen3. Auch L. Bernhardts ״Ueber die empyrische (!) Psychologie der Juden im talmudischen Zeitalter“ (S. 501—522) leidet unter seinem Stil. 1 Geschichte, XI2, S. 401. 2 Briefe, I, 1876, S. 140 f. 3 Näheres darüber in meiner Abhandlung ,,Ein Jahrhundert Wissenschaft des Judentums“ (Sonderabdruck der Festschrift zum 50 jährigen Bestehen der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums).