Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ein hundertjähriger Gedenktag unserer Wissenschaft
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
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־91 : für die Zeitschrift vorgesehen; bei der Wahl, die am 25. März 1821 stattfand, beschränkte man sich auf einen, und zwar auf Zunz. Die Zeitschrift erschien in zwanglosen Heften (S. 1—196, S. 197 bis 400), das dritte (S. 401—539) wurde im Juni 1823 ausgegeben1. Der Titel war von Zunz selbständig gewählt, als der Zensor eine solche Angabe forderte; auf Vereinsbeschluß wurde er in folgender־ Gestalt genehmigt: ,,Zeitschrift für die Wissenschaft des Judentums, herausgegeben vom Verein für Kultur und Wissenschaft der Juden (Redakteur: Zunz Dr.).“ Der Inhalt dieser ersten jüdisch-wissenschaftlichen Zeitschrift war außerordentlich vielseitig und anregend, teilweise darf er geradezu als klassisch bezeichnet werden; zur Förderung des Verständnisses des historischen Judentums und der Methode seiner geschichtlichen Erforschung hat sie das Ihre beigetragen. Die Aufsätze sind zumeist aus im ,,Institut“ gehaltenen Vorträgen der, Mitglieder hervorgegangen. Nicht dazu gehörten die Abhandlungen der beiden alten Aufklärer David Fried länder (1750—1834) und Lazarus Bendavid (1762—1832). Friedländer schrieb einige langatmige ,,Briefe über das Lesen der Heiligen Schriften nebst einer Uebersetzung des 6. und 7. Kapitels des Micha“ (S. 68—94). Bendavid bot, als ihm das erste Heft zugeschickt war, einen Aufsatz an ,,Ueber das Philosophen! vom Messias nach den Kabbalisten2“. Im Anschluß an eine Aeußerung des berühmten Orientalisten Silvestre de Sacy, daß die Juden mit der Aufgabe der Messiaslehre aufhören, gläubige Juden zu sein, wollte Bendavid den Nachweis führen, daß der Messiasglaube nicht im Judentume heimisch, sondern erst auf Grund gnostischer Anschauungen in ihm verbreitet worden ist. Zunz nahm die Abhandlung unter dem Titel ,,Ueber den Glauben der Juden an einen künftigen Messias“ auf (S. 197—230). Die Abhandlung ist verfehlt, ,,sie bekundet einen völligen Mangel an historischem Sinn und an einem wirklichen Verständnis für das Wesen des Messianismus als einer der Grundanschauungen des Judentums3“. Häufig zitiert ist der Schluß dieses Aufsatzes: ,,Kein Mensch, und am wenigsten der so leutselige Baron Silvestre de Sacy, verargen es daher dein Juden, wenn er seinen Messias darin findet, daß gute Fürsten ihn ihren übrigen Bürgern gleich gestellt und ihm die Hoffnung vergönnt haben, mit der völligen Erfüllung aller Bürgerpflichten auch alle Bürgerrechte zu erlangen.“ Ein weiterer Aufsatz Bendavids ,,Ueber ge- 1 Danach irrtümlich bei Graetz, Geschichte, XI2, S. 401, datiert. 2 Zeitschrift f. Gesch. d. Juden in Deutschland, V, S. 261. s Jacob Guttmann in Monatsschrift LXI/1917, S. 180. 7*