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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · Heft 6 · p. Seite 375

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
65 (1921)
Issue
Heft 6
Article
[Rezension]
Date
1921-01-01
Page
Seite 375 (sequence 3)
Language
German
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Besprechungen 375 ,, Jhw“ den Segen der Mutterschäft gewähren möge, so bin ich (offen gestanden) erst durch eine etwas verblüffte Bemerkung Bertholets zur Steile darauf aufmerksam geworden, daß diese Anschauung allerdings mit partikularistischer Religionsauffassung unvereinbar ist. Genau so ging es mir, wie vielen anderen, ais ich Cornills (später bekanntlich veröffentlichte) Vorträge über den Prophetismus, insbesondere über das Buch Jona hörte, von dessen Schluß er rühmte, daß in ihm mit schlichter Selbstverständlichkeit Gott als der Schöpfer und demgemäß Erhalter der ganzen Welt gepriesen werde. Solche Bemerkungen sind gewiß verdienstlich, sagen aber dem Juden, der täglich etliche Male in seinen Segenssprüchen ,,den König der Welt“ anruft, nichts irgendwie Bemerkenswertes. Beachtenswert schien mir aber allerdings unter dem Einfluß von Cornills Vorlesungen, daß die wegen ihres Nationalstolzes so geschmähten Rahbinen am Versöhnungstage die Vorlesung des Buches Jona angeordnet und damit die Frömmigkeit jener Heiden als mustergültig für ihre eigenen Glaubensgenossen hingestellt haben. Hierin liegt freilich eine Seite jüdischer Religionsauffassung, die Delitzsch verkennt, ,aber auch König nicht ausreichend würdigt. Letzterer schreibt (S. 35): ,,Für den Zugang zu Gott ist im Alten Testament die Anerkennung der Jhwreligion nur ebenso das Mittel, das Bürgerrecht im speziellen Gottesreiche zu erlangen, wie im N. T. die Anerkennung Jesu als des Christ“. Hier wird, wie schon die Formulierung zeigt, unsere Bibel unter neutestamentlichen Gesichtspunkten gesehen und daher schief gesehen. Sie kennt kein Gottesreich im neutestamentlichen Sinn mit Voll- und Halbbürgern. Sie kennt fromme, ״gottesfürchtige“ Menschen und — andere. Gottesfurcht aber ist eine Eigenschaft, die keineswegs erst mit der Offenbarung oder nur in ihrem Einflußkreis auftritt, deren sich vielmehr Josef als scheinbarer Heide rühmt, die daher von Amalek verlangt und von den Heiden von Ninive betätigt wird. Daher ist die Lehre, daß ,,die Frommen aller Völker Anteil am ewigen Leben haben“, nicht erst talmudisch, sondern dem Sinne nach biblisch. Die Gewinnung solcher Frömmigkeit außerhalb des Einflußgebiets der Offenbarung mag schwierig und selten sein, erscheint uns aber weder logisch noch dogmatisch unmöglich. Bekanntlich meint der Talmud, Moses sei nach der Lehre der Schrift nur der größte •Prophet in Israel gewesen; ob es unter anderen Völkern größere Propheten gegeben habe, könne man dahingestellt sein lassen. So urteilen die angeblich so engherzigen Talmudisten während Delitzsch, der Prediger des ,,Weltgottes“, findet, Jesus könne deswegen kein Jude gewesen sein, weil ein solcher des Monotheismus nicht fähig wäre!

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