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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · Heft 6 · p. Seite 376

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
65 (1921)
Issue
Heft 6
Article
[Rezension]
Date
1921-01-01
Page
Seite 376 (sequence 4)
Language
German
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376 Besprechungen Doch wir beabsichtigen keineswegs, in eine eigene Auseinandersetznng mit Delitzsch einzutreten. Wollte man den Wert unserer Bibel mit modernen Methoden darstellen, so dürfte man sie freilich durchaus nicht nur durch die Brille des Neuen Testaments betrachten, wie es vielfach die christliche Theologie bewußt oder unbewußt getan hat. Man wird ihr dann ebensowenig gerecht, wie wenn man etwa ebenso mit der hellenistischen Spekulation verführe, die gleich• falls dem Christentum vorgearbeitet hat. Die Bibel will mit ihren eigenen Maßstäben gemessen sein. Moderne Forschung hätte hierzu einerseits die Vertiefung der Erkenntnis zu verwerten, die uns vom religiösen Erlebnis überhaupt geworden ist, andererseits die Erforschung der Grundlagen der Religion, insbesondere des Begriffes des Heiligen als des — über das bloß Sittliche hinausgehenden — Grundbegriffs des religiösen Lebens (Vergl. meinen Aufsatz: Das Heilige im hellenistischen und rabbinischen Judentum, Jeschurun VIII, 99 ff.). Glücklicherweise haben sowohl die Psychologen wie die Systematiker die überragende Bedeutung unserer Bibel nach beiden Richtungen — wenn auch nicht erschöpft, so. doch grundsätzlich erfaßt. Und wie zu uns, so hat die Bibel seit Jahrtausenden zu wahrhaft frommen Menschen gesprochen, zu jedem in der Denkweise seiner Zeit, seines Bildungskreises, seiner Persönlichkeit. Wer eingesteht, daß sie ihm religiös nichts bietet, übt freilich eine vernichtende, unwiderlegliche Kritik — aber nicht an der Bibel. Heinemann. Dalman, Prof. B. Br. D. Gustaf: Orte und Wege Jesu. (Gütersloh 1919, C. Bertelsmann.) 370 S. mit 11 Abb. und 5 Plänen. 12 Mk. Dieses neueste Werk des verdienstvollen Forschers erscheint als 1. und 2. Heft, 23. Bd. der ,,Beiträge zur Förderung christlicher Theologie“. Wenn Titel und Zugehörigkeit des Werkes zu obiger Serie im ersten Augenblick den Zusammenhang mit der Wissenschaft des Judentums nicht dar tun, so bietet der Inhalt umsomehr wichtigen Stoff zur Klärung mancherlei jüdischer Palästinafragen. Schon die ersten Zeilen des Buches sprechen dies aus: ״Bethlehem wäre nicht die Geburtsstätte des Weltheilands, wenn es nicht die Heimat Davids wäre.“ In diesen Worten liegt ein wahres Programm der Arbeit; denn D., der den Leser alle heiligen christlichen Stätten durchwandern läßt und die Wege beschreibt, die Jesus nach den evangelarischen Berichten gereist und gewandelt ist, unterläßt es niemals, die Wege, Orte, Gräber usw. gleichzeitig nach den jüdischen Büchern historisch zu kennzeichnen und mit parallelen jüdischen Zitaten zu belegen.

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