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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · Heft 6 · p. Seite 345

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
65 (1921)
Issue
Heft 6
Article
Der Kuß
Date
1921-01-01
Page
Seite 345 (sequence 23)
Language
German
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345 Der Kuß. Nur außergewöhnlicher dichterischer Begabung war es beschieden, trotz der Beschränktheit des Gesichtskreises und des Sprachguts eigene Bilder in eigener Sprache zu formen und einen eigenen Ton zu finden, aus dem eine Persönlichkeit spricht. Als solche hat Juda Halevi auf Heine gewirkt, obwol er ihn hebräisch nicht lesen konnte und nur durch Zunzens meist mündliche Übersetzungen von der großen dichterischen Gewalt des wahrhaften Dichters ergriffen wurde. Heine singt, unbewußt den jüdischen Gotteskuß im Sinne, von Juda Halevi: Rein und wahrhaft, sonder Maske War sein Lied, wie seine Seele. — Als der Schöpfer sie erschaffen. Diese Seele, selbstzufrieden Küßte er die schöne Seele Und des Kusses holder Nachklang Bebt in jedem Lied des Dichters, Das geweiht durch diese Gnade. Hier spiegelt sich Zunzens Anschauung, die Heine aus dem Umgänge mit Zunz in Berlin bekannt war. Zunz selbst faßt sein Urteil über Juda Halevi 1855 in die Worte zusammen: Jedes seiner Werke ist schön, klar, voll Wärme und Gedanken. Stets bietet sich ihm das passende Wort, die ausdrucksvollste Bibelstelle dar; ein großes Geistesleben auf kleinem Wörterraume, scheinen die einzelnen Teile des Gedichtes sich wie Glieder eines organischen Wesens zu bewegen, als hätte das Ganze sich selber aus sich heraus, ohne Zutun des Dichters entwickelt. Und dieses Leben wird von einem gotterfüllten Geiste beseelt, an dessen Reinheit kein Schmutz haftet, von einem heiligen Feuer erwärmt, dessen Kraft über Jahrhunderte hinausragt, von einer scharf denkenden Vernunft geleitet, die sich nie in dunkle Wege verirrt. Wie der Rose Duft und Schönheit, inwohnen, die beide nicht von außen zu ihr ge-

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