Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Der Kuß
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 336 (sequence 14)
- Language
- German
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336 Der Kuß. sie mit den Küssen, deren seine Kinder teilhaft wurden. ,,Von den Küssen*' darin liegt angedeutet, daß Israel nur einen Teil -der zehn Worte unmittelbar aus dem Munde der Allmacht vernahm, sagt R. Jo'sua b. Levi (Bacher P. 1, 178). Wenn es heißt, er küsse mich von den Küssen, so weist die Mehrzahl auf mindestens zwei Küsse: einen im Diesseits, einen im Jenseits. Im Diesseits heißt es: er blies ihm ein die Seele des Lebens (Gn 6, 7), im Jenseits: ich lege meinen Geist in euch (Ez. 37, 14. Schir. zutta p 10 Buber. Jalk II 981 f 175b). Hast du dich im Diesseits viel um die Tora bemüht, so werden deine Lippen im Jenseits geküßt (Abot Natan 12, p 28 Schechter). Im Kusse sterben ist ein dichterisch schöner Gedanke der Agada. Auch Geibel singt: Ich habe die Welt vergessen, Seit ich dein Aug' gesehen; Ich möchte dich an mich pressen Und still im Kuß vergehen. An anderer Stelle: Laß mich vom rosigen Munde Küssen die Seele dir, Aus meines Busens Grunde Nimm meine Seele dafür! Das kommt dem agädischen Bilde, Gott nehme die Seele der Frommen im Kusse, nahe. Auch Heine spielt mit ähnlichen Gedanken: Singt mich tot und herzt mich tot, Küßt mir aus der Brust das Leben. Gewiß nicht aus der jüdischen Quelle kam. die Vor- Stellung zu Schiller (Götter Griechenlands): Damals trat kein gräßliches Gerippe Vor dasJBett des Sterbenden. Ein Kuß Nahm das letzte Leben von der Lippe . . .