Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Der Kuß
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 334 (sequence 12)
- Language
- German
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334 Der Kuß. Die Kabbala läßt ihrer Phantasie freien Lauf. Ihr küssen die Patriarchen das Gebet (Sohar chad. 70b). Sie läßt das göttliche Wort in Liebesglut küssen (34c כמאן דנשיק ככחביבר ׳ דרחימרתא ■). Die Küsse der Liebe nesikin. direhimütä (Sohar 1, 44b, 168a) sind dem Sohar geläufig, auch Küsse der Liebe des himmlischen Königs nesike direhlmü demalkä (Sohar 2, 97a). Die mündliche Tora ist ihr die vom göttliehen Munde weggeküßte Lehre (Tikkune hasohar 51b Z 1, 71a), wird zur Sosanna durch Vereinigung mit dem himmlischen König in dem Kusse, denn es heißt: seine Lippen — sosannim (Sohar 1, 221a, 3, 107a). Die Gemeinde Israels ist mit sösannä bekränzt in den Liebesküssen des höchsten der Könige, denn es heißt: seine Lippen — sosannim! Daher heißt es : er küsse mich mit den Küssen seines Mundes (3, 287a). Durch himmlische Küsse werden heilige. Geister erhalten . (2, 253a, 254f), und das Geheimnis des Kusses (räzä dinesikä) ist kabbalistische Wendung (Ozar Midr. 516a). Die Vereint gung der entsprechenden sefirot heißt : Kuß (nissuk) : Vater und Mutter d. i. Weisheit und Einsicht küssen einander (Mischn. Chaßidim 12a, 14b, 16b, 25a, 29b). VII. Eschatologisches. Jakob Burckhardt sagt (die Zeit Constantins d. Gr. 3, 181) : In der großen mittleren Halle des Serapeums stand das Bild des Gottes, überaus kolossal . . . Der ganze große .,Raum war dunkel und also auf künstliche Beleuchtung berechnet; nur an dem Festtag, da man das Bild des Sonnen־־ gottes auf Besuch zu Serapis brachte, wurde in einem be־־ . stimmten Augenblick eine kleine Öffnung gegen Osten aufgedeckt, durch welche plötzlich der glühende Sonnenschein auf die Lippen des Serapis-Bildes fiel und dies nannte man den Sonnenkuß. Ähnliche Vorstellungen von makrokosmischen Küssen fehlen auch in jüdischen Kreisen nicht. In der 28sten Ode des jüdisch-christlichen Psalmbuchs (Harnack p 61)