Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · Heft 6 · p. Seite 333

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
65 (1921)
Issue
Heft 6
Article
Der Kuß
Date
1921-01-01
Page
Seite 333 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2829132-2829903-2829908-2831211--44576-2831283
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

333 Der ,Kuß. fassen ein Kind, das sich einzuhüllen versteht, ist schaufädenpflichtig. Jeruschalmi: Nicht daß es sich einzuhüllen, sondern daß es zwei Quasten nach hinten, zwei nach vorn zu verteilen versteht und die Schaufäden beim Schemalesen nach Vorschrift in der Hand hält.“ Das wäre, wenn das Zitat nicht apokryph ist, die älteste Erwähnung des Ergreifens der Schaufäden beim Schemalesen. Für die Mezuza wird in ältester Zeit bloß das Berühren, nicht auch das Küssen vorgeschrieben, es wurde aber Sitte, sie zu küssen. (Zeda lederech 67a R M A J. D. 285, 2 Mekore Minhagim 30. Zecher Nathan 135a B J. O. Ch. 28.) Ebenso werden die Türpfosten der Synagoge geküßt, was sogar Heine noch wußte: Sei gegrüßt, geliebte Halle Meines königlichen Vaters! Zelte Jakobs, eure heihgen Eingangspforten küßt mein Mund. (Prinzessin Sabbat) Der inbrünstige Liebeskuß der Miswä hat die Tendenz, sich ein immer größeres Feld zu erobern. Die gemütvolle Frömmigkeit des Jesaja Horwitz freut sich darüber, daß sich die Gewohnheit einzubürgern beginnt, alle miswöt zu küssen, die Laubhütte und ihre vier Pflanzenarten ebenso, wie massöt und märör des Sederabends (1, 142b, 244b marg.). Aus Teheran hören wir: beim Verlassen des Friedhofs werden aufs Grab Grashalme .und Steinchen, die zuerst geküßt werden, gelegt (Grunwald, Mitt. 20, 154). Beim Abklopfen der Weidenbüschelchen am Hoschana rabba läßt die Kabbala daran denken, daß in der Gestalt des Weidenblattes das Geheimnis der küssenden Lippe liege: die weibliche Lippe, welche die männliche küßt zur Ehe des Morgens (Mischnath Chaßidim 127a). Auch die kabbalistische Gebetsformel nach dem Abklopfen der Weiden bittet: Küsse uns mit den Küssen deines Mundes! (Machzor Rödelheim VIII 10b).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.