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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · Heft 6 · p. Seite 329

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
65 (1921)
Issue
Heft 6
Article
Der Kuß
Date
1921-01-01
Page
Seite 329 (sequence 7)
Language
German
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Der Kuß. 329 Küssen der herumgetragenen Torarolle in der Synagoge, dessen auch der große ungarische Schriftsteller Jokai gedenkt, J M J T 1905, 104. Der ungarische Humorist Adolf A'gai, der durch längere Zeit jährlich einige Wochen in Korfu verlebte, berichtet (Mult ,es Jövö III — 1913 531—־): Die eingeborenen griechischen Juden küßten entweder den Toramantei oder den Talith, mit dem sie ihn berührt hatten. Die spagnolischen (türkischen) Juden aber grüßten die Tora auf-muselmännische Art, indem sie erst die den Fes tragende Stirne, dann die Brust berührten. Von den persischen Juden wird berichtet: bei dem Eintritt in die Synagoge und bei dem Aussprechen des üblichen Segenspruches fährt man mit der Hand über das Gesicht von der Stirn bis zum Barte und küßt sie dann. Dasselbe tut man bei dem Lesen des Schema. Schudt berichtet 1714 von den Juden zu Worms (Jüd. Merkw. 1, 411): Die Wormser Juden sind als ihnen ,,ein uhraltes chumesch oder Exemplar der V Bücher Mosis Hebräisch uhralt geschrieben, gezeiget worden, aus Ehrerbietung gar davor nieder auf die Knie gefallen und haben es geküsset, obwohl sie darin geirret, daß sie geglaubet solch Msc. sey noch vor Christi Zeiten geschrieben worden, dahero auch einige Juden 6000 Thaler darfür zu geben, sich erbotten, oder doch 500 Thaler für die Erlaubniß, es abzuschreiben/' Der Midrasch läßt das Befehlsschreiben des persischen Königs küssen, und gewiß־ spiegelt sich darin altorientalische Sitte (Schir. r. Einl.). Midraschische Reminiscenz war es wohl, die den Rabbiner Jonathan Eybeschütz (?) in Prag 1742 das ihm zugekommene Schreiben des Königs von Frankreich küssen ließ (HB 16 — 1913 143—־). Vom Küssen der Tora (Mag. Abr. 139, 14) erfahren wir erst in späterer Zeit. Manhig 27a schweigt davon. Aus Österreich berichtet Or zarua (P. Jicchak 125 םb, RM A O. Ch. 149): die Kinder liefen herbei, um die Tora zu küssen: es sollte ihnen dadurch Liebe zu Israels Heiligtümern eingeimpft

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