Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Der Kuß
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 325 (sequence 3)
- Language
- German
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Der‘ Kuß. 325 war unter den Griechen und. Römern üblich gewesen. So sagt Ovid von Deukalion und Pyrrha, die nach der Fluh den delphischen Tempel besuchen: Ut templi tetigere gradus, procumbit uterque Pronus humi, gelidoque pavens declit oscula saxo. (Met. I 375 f.) Besonders taten dies Elende und Schuldbewußte. Non ego sic meriii, debitem procumbere templis Et clara sacratis oscula limiriibus. (Tibull. 1, 2) Trotz des Tadels, den Arnobius ausgesprochen hatte, fielen die Christen im Morgen- und Abendland beim Eintritt in ihre Kirchen auf die Schwellen nieder. Die christlichen Dichter sprechen von diesem Brauche ebenso, wie einst die römischen: Kursus Apollinaris pretiosi limina lambe Fusus humi supplex. (Fortunatüs de basilica Apollinaris) Apostolorum et martyrum Exosculantur limina. (Prudentius ad Laurentium) Sternitur ante fores et oscula postibus figit Et lacrimis rigat omne solum, pro limine sancto . Fusus"humi. (Paulinus v. Nola, Natal. VI Felicis) Chrysostomus (Homil. 30): ,,Wir sind Tempel Christi, deshalb küssen wir die Türen des Eingangs zum Tempel, indem wir einander beim Eintritt selbst küssen ... Sehet ihr nicht, wie Viele selbst die Türen des Eingangs zu dieser Kirche küssen. Einige sich hinneigend, Andere mit der Hand haltend und dann die Hand zum Munde führend/' Die Abessinier küssen Boden, Türen und Pfosten der Kirche. Bei der Prozession mit dem Evangelienbuch wird dies den Nächststehenden zum Kusse hingehalten. ' Ein