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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · Heft 6 · p. Seite 324

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
65 (1921)
Issue
Heft 6
Article
Der Kuß
Date
1921-01-01
Page
Seite 324 (sequence 2)
Language
German
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324 Der Kuß. bloßes Küssen läßt sich der Segen nach muhammedanischer Anschauung auf andere übertragen. Daher die Gewohnheit, liT-tabarruk ,,um Segen zu erlangen" heilige Sachen zu berühren, zu küssen, zu streicheln (Enc. IsL sv Baraka). Das Amulet heißt darum bawwäs, das zu Küssende (Canaan, Abergl. 60). Daher küßt man die Tore der Moschee (Nöld. O. S. 422), den mihräb mrd makäm. Aus dem heutigen Palästina — am Karmel — wird berichtet: an Orten, wo kein Hüter bestellt ist, dürfen die Armen die Geldspenden von Gelübden holen, sie müssen aber erst den mihräb küssen (Z D P V 30, 194). Beim Schleier-Gelübde (nidr il-istär) küßt der Gelobende den makäm und bindet das Tuch an den Steinpfosten am Kopfende des Grabes. Beim nidr ezziära, Gelübde in Verbindung mit dem Besuche eines Heiligtums, küßt der Gelobende das Grab oder, wenn keines vorhanden ist, den mihräb des makäm. Zur Ausführung eines nidr il-bachürä, Weihrauchgelübde, begibt sich der Ge- Tobende zum‘Grab des Heiligen, küßt den makäm, legt einen kleinen Teller mit Weihrauch hin, den er anzündet und küßt vor dem Weggang den makäm von neuem (192 f). Bei den Römern küßte man im Gebet die Statuen der Götter. In der christlichen Kirche, namentlich der katholischen und der orientalischen spielt das Küssen der religiösen Symbole und der geweihten Gegenstände bekanntlich eine große Rolle. Das Kreuz, der Rosenkranz, Reliquien, die Kirchenschwelle (Schöne, Alt. Forsch. 2, 377), das Meßbuch, besonders der. Fuß der Statue des Apostels Petrus in der Peterskirche zu Rom werden geküßt (Nyrop, the Kiss transl. by Harvey 118 ff.). Den heiligen Bruderkuß kennt schon das N. T. (1 Thess. 5, 26, Rom. 16, 16). Schöne sagt: Arnobius hatte die Heiden heftig getadelt, daß sie beim Eintritte in ihre Tempel sich an der Türe niederwürfen und die'Schwellen mit ihren Küssen abwischten; denn die Sitte, die Schwellen der Tempeleingänge zu küssen,

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